Unter den vielen deutschen Blรคttern, die mit einem gewollt mondรคnen Anstrich das typische Untertanen-Publikum in seiner Sucht nach Bestรคtigung bedienen, firmiert die โZEITโ seit jeher ganz vorne. Bei โarteโ haben Sie am Vorabend die vierstรผndige Dokumentation รผber lesbische Straรenhunde aus Papua-Neuguinea in Originalsprache (mit gelben Untertiteln) verpasst? Kein Problem, die โZEITโ entschรคdigt Sie mit einem Artikel รผber die Comic-Kรผnstlerin Tillie Walden, die eine โweiblich-genderfluide Crew auf einen Selbsterkundungstrip bis ans Ende der Galaxieโ schickt. Nein, ich habe mir das nicht ausgedacht.
Bestens gebildet im postmodernen Kultursimulationsbetrieb fรผhlen Sie sich auf der Grillparty mit ehemaligen Kommilitonen der Sozialwissenschaften trittfest. Der vegane Haloumi brutzelt auf dem Rost, wรคhrend Maik, der frรผher Beate hieร, von jedem Teilnehmer 34,71 Euro fรผr Essen und Getrรคnke einsammelt, als plรถtzlich von Texas die Rede ist.
โWir haben Freunde in Texasโ
In diesem klerikalfaschistischen Bundesstaat hat man nun beschlossen, Schwangerschaftsabbrรผche ab der sechsten Woche zu verbieten. Darรผber empรถrt man sich jetzt im linken Deutschland. Man war nie in Amerika, man hat aber โFreunde dort drรผbenโ, was so viel bedeutet wie: โIch habe รผberhaupt keine Ahnung und erst recht keine Freunde, aber ich habe eine Meinung und die ist mir wichtig. Und dir gefรคlligst auch!โ
Amerika, da ist sich die internationale Linke einig, ist voll scheiรe. Und Texas ist so etwas wie das konzentrierte Amerika. Texas ist Cowboyhut, Texas ist Trump, Texas ist die Mauer zum armen Mexiko. Vor allem aber ist Texas so weit weg, dass es uns eigentlich vรถllig Schnuppe sein sollte, was dort beschlossen oder nicht beschlossen wird.
โWenn Frauenrechte nichts mehr zรคhlenโ, รผberjammert die US-Korrespondentin Rieke Havertz der โZEITโ eines ihrer neuesten Traktate. Vor kurzem bestand ihr Job noch in der Produktion von Anti-Trump-Artikeln, was sie, zugegeben, in einem bemerkenswerten Tempo tat. Wir erinnern uns alle an diese vier Jahre vรถllig enthemmter Medienhetze, die einmal mehr zeigte, dass das Destillat des deutschen Untertanengeistes seit jeher in den Schreibstuben sitzt.
In Texas sind zukรผnftig mit dem โTexas Heartbeat Actโ Schwangerschaftsabbrรผche ab der sechsten Woche verboten. Ausnahmen sind mรถglich, wenn etwa das Leben der Mutter in Gefahr ist. Wer dem Gesetz zuwider handelt, kann angezeigt und vor Gericht gebracht werden. Daraus knetet die US-Korrespondentin: โIn Texas ist es kรผnftig fast unmรถglich, eine Schwangerschaft abzubrechen. Wer es versucht oder auch nur dabei hilft, wird hart bestraft. Wer Frauen verrรคt, wird belohnt.โ
Mein Recht auf Kindstรถtung
Kindstรถtungen, nennen wir die Sache doch beim Namen, sind also nicht โfast unmรถglichโ. Sie sind volle sechs Wochen legal. Und wenn ich Eltern rechtlich belangen kann, die ihre Kinder misshandeln, wieso sollte ich dann nicht rechtlich gegen eine Schwangere vorgehen dรผrfen, die offensichtlich in vollem Bewusstsein ihr Ungeborenes tรถten will?
Diese und viele andere Fragen beantwortet der US-Podcast der โZEITโ, der so etwas wie eine โangeregte Debatteโ zwischen besagter US-Korrespondentin und dem Programmdirektor des MDR, Klaus Brinkbรคumer, simulieren soll, nicht. Wer die volle Ladung linker Schlagworte und empรถrungsgeschwรคngerter Plattitรผden braucht, das Ganze zusรคtzlich unterlegt mit dieser รคtzend รผberamerikanisierten Aussprache, der ist hier goldrichtig! Kostprobe?
Brinkbรคumer: โEs ist ein konservatives Gesetz, es ist einer dieser Versuche, in das Leben der Amerikanerinnen einzugreifen, durch eine… ja, extrem mรคnnlich dominierte Regierung โ so ist die Regierung in Texas, so war sie immer.โ
Derselbe: โDass das Gesetz zwar Ausnahmen fรผr medizinische Notfรคlle offiziell, sag ich mal, zulรคsst, aber Vergewaltigungen und Inzest nicht einschlieรt, macht es… – was soll man noch sagen โ brutal, perfide, diabolisch. Ich bin kein Freund von dramatischen Adjektiven, aber es gรคbe eine ganze Reihe, die man dort finden kรถnnte.โ
Suizid auf Raten
Vergewaltigungen und Inzest โ das sind stets die Pappkameraden, wenn es darum geht, Ungeborenen ihr Recht auf Leben abzusprechen (wie gesagt: In Texas kรถnnen Schwangere bis zur sechsten Woche abtreiben). Da kann dann Brinkbรคumer nach so vielen dramatischen Adjektiven schnappen wie er will โ Rieke Havertz fรผhrt es aus: โDas neue Gesetz macht es Frauen auch schwieriger Hilfe zu bekommen, die in sozial schwachen Milieus, in einkommensschwachen Milieus leben. Teenager, die โ du hast es gerade angesprochen โ lange gar nicht wissen, dass sie schwanger sind (…). Und vor allen Dingen sind es Women of Color. (…) 70 Prozent der Abbrรผche 2019 sind von Women of Color gewesen.โ
Ich fasse mal zusammen: Es geht einfach nur darum, dass Frauen, oft jung, meistens schwarz, รผberwiegend der Unterschicht angehรถrend, das Produkt ihrer Leichtsinnigkeit loswerden und sich nebenbei noch als Opfer stilisieren kรถnnen.
Diese ganze โDebatteโ โ genau genommen ist es ja keine Debatte, es ist eine ewige linke Selbstbestรคtigung โ wird in einer Dimension gefรผhrt, die suggeriert, dass es sich bei der legalen Tรถtung von ungeborenem Leben um die Wassermarke fรผr eine โfortschrittlicheโ und damit โguteโ Gesellschaft handle. โFrauenrechtโ, das ist das Recht auf Abtreibung. Der Vater kann nicht intervenieren, so etwas wie โMรคnnerrechteโ gibt es ja nicht. Und das Ungeborene kann sich sowieso nicht wehren.
Es grรผรen herzlich: Die letzten Menschen.
ย
โDa werden Weiber zu Hyรคnen
und Treiben mit Entsetzen Scherz;
Noch zuckend, mit des Panthers Zรคhnen,
Zerreissen sie des Feindes Herz.
Nichts Heiliges ist mehr, es lรถsen
Sich alle Bande frommer Scheu;
Der Gute rรคumt den Platz dem Bรถsen,
Und alle Laster walten frei.
Gefรคhrlich istโs den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn;
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.โ
– Friedrich Schiller

