Das war es jetzt also mit Afghanistan. Die Taliban haben wieder die Macht, die Hauptstadt Kabul ist gefallen. Auf den Bildern der Liveberichterstattung sieht man nur wenige Rauchsรคulen รผber der Stadt aufsteigen. Prรคsident Aschraf Ghani ist geflohen, die afghanische Armee, auf dem Papier immerhin rund 300.000 Mann, streckte an den meisten Orten ihre Waffen.
Den Islamisten fielen Rรผstungsgรผter im Wert von mehreren Milliarden Dollar in die Hรคnde- ein letztes โFuck youโ in Richtung der westlichen Steuerzahler, die dieses Abenteuer zwei Jahrzehnte finanziert haben.
War das unser Krieg?
20 Jahre Krieg in Afghanistan, das bedeutete fรผr die deutsche Heimatfront: 20 Jahre Desinteresse. 20 Jahre Verstรคndnislosigkeit in weiten Teilen der Bevรถlkerung. 20 Jahre vergebenes Warten auf den Wahlkampfslogan โHolt unsere Jungs zurรผckโ. 20 Jahre Mandatsverlรคngerung fรผr einen Kriegseinsatz, der von der rot-grรผnen Regierung unter Bundeskanzler Schrรถder als Friedensmission beschlossen wurde.
โDie Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigtโ, prahlte seinerzeit Verteidigungsminister Peter Struck. Er sollte das Jahr 2015 nicht mehr erleben – den Auftakt zur Masseneinwanderung sogenannter โFlรผchtlingeโ. Wรคhrend deutsche Soldaten in Masar-e-Scharif ausharrten, รผbertraten zigtausende Afghanen im wehrfรคhigen Alter die Grenze zur Bundesrepublik, um deren Sicherheit es seit diesem Schicksalsjahr nicht mehr ganz so gut bestellt ist.
Der Krieg ohne klare Fronten und klar erkennbare Kombattanten ist lรคngst in Deutschland angekommen. Wieso also patroullierten verstaubte Panzerwagen รผber die holprigen Pisten Nordafghanistans, wer zum Teufel wurde dort vor wem verteidigt? Wieso hat sich die Schrรถder-Regierung 2001 auf den Krieg gegen den Terror, diesem Kampf gegen die Kรถpfe der Hydra, eingelassen? Um Terror zu bekรคmpfen muss man schon lange nicht mehr nach Afghanistan. Islamischer Terrorismus hat lรคngst Europa erreicht.
Krieg. Es heiรt Krieg.
Brunnen- und Mรคdchenschulenbau, das war das Narrativ eines Einsatzes, der von Politik und Medien nur ungern als das bezeichnet wurde, was er eigentlich war: Krieg. Groร war die Empรถrung, als ein deutscher Kommandeur 2009 in der Nรคhe von Kundus einige von Terroristen entfรผhrte Tanklastwagen bombardieren lieร. Was gefielen sich die linken Moralpropheten in ihrer Rolle als schnappatmige Empรถrer und Verteidiger des Vรถlkerrechts.
Dabei war dieser als โKundus-Affรคreโ titulierter Vorfall einer der ganz seltenen, aber dringend notwendigen Vorfรผhrungen der berรผhmten roten Linie: โWenn ihr muckt, dann gibt es รrger.โ In dem kaum รผberschaubaren Gewirr aus regionalen Dialekten war und bleibt dies die einzige, universelle Sprache, die in Afghanistan von jedem verstanden wird.
Aber so eine Sprache wird hierzulande nicht mehr gesprochen. Dementsprechend war die Darstellung des Afghanistankrieges in deutschen Medien immer die Darstellung von Schwรคche, Trauma, Verbrechen und Schuldgefรผhl. Der Veteran als unverstandende Zeitbombe, als jemand der sich bei heimatlichen Grillpartys รผbergibt, weil er den Geruch von verbranntem Fleisch nicht ertrรคgt.
Nichts ist vorbei
รberhaupt war der Umgang mit den knapp 100.000 (!) Afghanistan-Veteranen von Anfang an verkrampft. Das โEiserne Kreuzโ schmรผckt zwar als Hoheitsabzeichen deutsche Fahrzeuge, als Auszeichnung fรผr Tapferkeit kam es aber nicht in Frage. Wegen โunserer Vergangenheitโ, was auch sonst. Es gab keine Verabschiedungen oder Empfรคnge fรผr die Soldaten, nicht einmal fรผr die letzten Heimkehrer. Es gab keine รถffentlichen Wรผrdigungen von Tapferkeit, keine medienwirksame Auszeichnung von Verwundeten. Alles was mit Bundeswehr und Afghanistan zu tun hatte, war von Anfang bis Ende eine kaum zu ertragende Farce.
Aber das alles steht auch sinnbildlich fรผr eine linke Politik, die nicht erst seit Merkel dieses Land in ihrem eisernen Griff hรคlt. Kriegseinsรคtze werden einfach mal so eben beschlossen, mit betretener Miene wird dann vor den laufenden Kameras irgendwas von โdeutscher Verantwortungโ gefaselt. Die besteht dann zunรคchst darin โStrukturen vor Ort zu stรคrkenโ, also deutsches Steuergeld in korrupten Sรผmpfen zu versenken, anschlieรend dann in der Evakuierung und Alimentierung der afghanischen Helfer – einem sehr dehnbaren Begriff, wie wir in den nรคchsten Monaten noch erfahren werden, aber das nur am Rande.
Jetzt werden also die letzten deutschen Mitarbeiter aus Kabul geflogen, zumindest jene, die rechtzeitig den Flughafen erreichen konnten. Das alles hรคtte lรคngst passiert sein kรถnnen, รผberhaupt hรคtte unter der ganzen Sache schon vor Jahren ein Schlussstrich gezogen werden kรถnnen. Deutsche Soldaten hรคtten dann nicht am Hindukusch, sondern an Europas Grenze unsere Sicherheit verteidigt.
Das alles geschah nicht. In Berlin hoffte man wohl bis zum Schluss auf ein Wunder. Was bleibt also von 20 Jahren Bundeswehreinsatz in Afghanistan? Ein bisschen aufgewirbelter Staub auf Kabuls Landebahn. Sรคrge. Ein paar abendfรผllende Filme. Die Show ist vorbei. Der Krieg geht weiter.

