Die Macht der Konnotation - Ein Kampf gegen Windmühlen?

Möchten Individuen mit bestimmten Sichtweisen nicht in Verbindung gebracht werden, so ist es selten die Sichtweise an sich, welche das Individuum abstößt, sondern vielmehr die negative Konnotation der Begrifflichkeiten. Lieber leugnet man die eigenen Ansichten und Standpunkte, als sich die Mühe zu machen, durch Aufklärung den Schönheitsfehler einer „falschen" Konnotation auszubessern.

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Das gesellschaftliche Treiben des 21. Jahrhunderts erinnert stark an das Spiel „Twister", bei welchem die Spieler sich auf die unterschiedlichsten Arten verrenken müssen, um nicht zu verlieren. Alljährlich scheint es eine neue Liste negativ behafteter Begriffe zu geben und Gnade dem Gott, der sich durch weitere Verwendung dieser dem gesellschaftlichen Irrsinn widersetzt.

Beschäftigt sich eine Gesellschaft mehr mit der Konnotation bestimmter Begriffe, anstatt mit der eigentlichen, tatsächlichen Bedeutung, so läuft sie Gefahr, eine Eigendynamik der Selbstzensur zu entwickeln. Auch wenn es der heutige Trend ist, sich mit der eigenen Aufgeklärtheit zu brüsten, so können wir das Gegenteil beobachten - man begibt sich zurück in die selbstverschuldete Unmündigkeit. Die Furcht vor bestimmten Begriffen und deren Tabuisierung sind Zeichen dafür, dass wir bereits auf dem falschen Wege sind.

Es ist die Unmündigkeit im Deckmantel der Aufklärung, der Wolf im Schafspelz und ja, es stimmt: Der Mensch ist des Menschen Wolf.

Wer Aufklärung predigt, soll Aufklärung leben, soll Aufklärung betreiben!
Nehmt den Menschen die Angst vor bestimmten Begriffen, vor bestimmten Sichtweisen, zeigt den Menschen, dass es beispielsweise in Ordnung und sogar schön ist, Liebe zum Eigenen zu empfinden und dass Liebe keinesfalls mit der Degradierung Anderer einhergehen muss! Macht ihnen Mut! Mut sich zu dem zu bekennen, was sie sind, ohne Angst davor haben zu müssen, gesellschaftlich geächtet zu werden.

Homosexualität war in unserer Gesellschaft Jahrhunderte lang negativ konnotiert. Nun wird sie in (weiten Teilen) unserer Gesellschaft akzeptiert - meines Erachtens ein Schritt nach vorne.
Heimatliebe war Jahrhunderte lang positiv konnotiert. Seit 74 Jahren wird sie nur zu gerne mit den Verbrechen des NS in Verbindung gebracht und gesellschaftlich nur akzeptiert, wenn sich die Liebe zur Heimat explizit auf die multikulturalistische Gesellschaft von heute bezieht - meines Erachtens zwei Schritte zurück.

Wir räumen der Konnotation bestimmter Begrifflichkeiten einen höheren Stellenwert ein als der Wahrheit an sich. Das ist definitiv kein gutes Zeichen. Es verdeutlicht die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft und den Drang ihrer Mitglieder für ihre eigene System- bzw. Gesellschaftskonformität akzeptiert zu werden. Eine derartige Gesellschaft ist Wachs in den Händen der Mächtigen, solange sie dem Irrglauben unterliegt und in dem Irrglauben gelassen wird, Selbstzensur sei ein Zeichen von Aufklärung!