Die Psychologische Analyse als Kompass für einen neuen Kurs - Ein Appell an den Leser

Alexander Kirton meint, dass wir uns nicht nur mit politischen und wirtschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen sollten. Wenn wir den gesellschaftlichen (Fehl)entwicklungen auf den Grund gehen wollen, müssen wir uns auch mit psychologischen und soziologischen Voraussetzungen beschäftigen.

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Als ich vor ein paar Monaten das Gespräch mit einer brasilianischen Feministin suchte, um nach den Beweggründen ihres feministischen Einsatzes zu fragen, erzählte sie mir von der vorherrschenden Gewalt gegen Frauen in Brasilien. „Die Gewalt gegen Frauen hat in Südamerika, insbesondere in Brasilien, hat saudi-arabische Ausmaße angenommen. (übs. Englisch-Deutsch)", erklärte sie. Auf meine Frage hin, woran dies liege, antwortete sie mit dem Patriarchat.

Für gewöhnlich hätte ich hier das Gespräch beendet, doch glücklicherweise kenne ich die Dame ein wenig besser, um zu wissen, dass eine derartig abgedroschene Parole ihrem eigentlichen Intellekt nicht entspricht - also hakte ich nach. Die Konversation verlief etwa so:

Sie: „Ich sehe das primäre Problem im Patriarchat."

Ich: „Wenn Du wirklich etwas ändern möchtest, spar Dir die Parolen und fühle dem Problem genauer auf den Zahn. Woher kommt die Gewalt gegen Frauen?"

Sie: „Ich weiß nicht. So sind die Männer in Brasilien einfach!"

Ich: „Du bist also davon überzeugt, dass ein brasilianischer Mann eines Tages aufsteht und aus heiterem Himmel seine Frau verprügelt? Denk nach, woher kommt die Gewalt?"

Sie: „Vielleicht von der Erziehung?"

Bingo! Wird ein Individuum seit klein auf in Situationen absoluten Kontrollverlusts gebracht, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis es nach Möglichkeiten suchen wird, das Erlebte und die einhergehenden, seelischen Verstümmelungen zu kompensieren. Dass sich dies in Gewalt gegen Schwächere, häufig auch in Gewalt gegen Frauen äußert, ist eine logische Konsequenz. Sich mit Gleichstarken oder sich gar mit Stärkeren zu duellieren, wäre in jeglicher Hinsicht kontraproduktiv. Zu groß wäre die Gefahr, sich erneut in eine Situation der Machtlosigkeit zu verlieren.

Dies leuchtete der jungen Dame auch ein.

Dass sie wiederum ihre eigene, dreijährige Tochter antiautoritär erzieht und ihr zudem noch immer die Brust gibt, möchte ich auf ihre eigene, von häuslicher Gewalt und seelischer Verwahrlosung geprägten Erziehung und ihrem lobenswerten Versuch, aus der Spirale der Gewalt auszubrechen, zurückführen. Ob eine antiautoritäre Erziehung das richtige Gegenkonzept ist, möchte ich jedoch stark bezweifeln. Auch das Geben der Brust - man bedenke, dass es sich hierbei um ein Kind im Alter von drei Jahren handelt! - erscheint mir als ein Symptom ihrer Verlustängste und als ein Versuch, ihre Tochter (im wahrsten Sinne des Wortes) enger an sich zu binden. Vielleicht ist auch dies ein Überbleibsel ihrer eigenen Kindheit und ein fortgesetztes Ringen nach Aufmerksamkeit (Stichwort: freudsche Übertragung ihrer Probleme mit den Eltern auf ihr Kind) - doch kommen wir langsam vom Thema ab.

Als unumgänglich erachte ich eine, von Psychologie gezeichnete Analyse vorherrschender Probleme, um letzten Endes eine erfolgreiche Kursänderung einzuläuten. Wir sollten stumpfe Parolen dem Pöbel überlassen, auf dass dieser mit ihnen jonglieren und doch nichts erreichen kann. Auch hier haben wir uns von der Masse abzuheben, weiterzudenken und bewährte Strategien beizubehalten, obsolete zu verwerfen und nach neuen Wegen zu suchen.

Ich bin der Überzeugung, dass man einen gesellschaftlichen und einen politischen Wandel nur bewirken kann, wenn man es wagt, das politische Feld zu verlassen. Dies hat man in der Theorie verstanden (Stichwort: Metapolitik), doch sehe ich noch immer zu viele patriotische Idealisten, sich auf die Politik versteifen. Nur eine einzige Waffe zu beherrschen reicht nicht aus und lasst Euch gesagt sein - die mächtigste Waffe ist und bleibt das Verständnis für die Psyche des Menschen und der Masse und eben nicht das Runterbeten politischen Gefasels!

Wichtig ist es, Probleme an der Wurzel anzupacken und nicht erst die Symptome zu bekämpfen, wenn diese schon längst überhandgenommen haben. Das feministische Konzept der "rape-culture" leuchtet im Grunde genommen ein, da sich bestimmte Abläufe über Generationen in die gesellschaftlichen Strukturen und somit auch in die entsprechende Kultur integrieren, nur wird die Verwendung des Begriffes durch das pauschale Diskreditieren (ausgerechnet) weißer, westlicher Männer und durch den Mythos der Frau als kontinuierlich unterdrücktes Wesen, komplett ad absurdum geführt. Doch auch hier in der westlichen Welt gibt es genügend Probleme, die man psychologisch beleuchten und therapieren sollte: Die teilweise masochistisch anmutende Autoritätshörigkeit einzelner Individuen, die Systemkonformität des Kollektivs, diverse Schuldneurosen, um nur einige zu nennen.

Wahrlich ist die Welt ein einziges Wartezimmer voll psychischer Wracks, ein Panoptikum psychischer Probleme. Mein Appell ist dementsprechend klar und deutlich: Beschäftigt Euch nicht nur mit politischen oder wirtschaftlichen Themen, sondern insbesondere mit Soziologie und Psychologie! Die Nachwelt wird Euch danken!

PS: Als einen geeigneten Einstieg in den Bereich der Psychologie erachtete ich nach wie vor ,,Psychologie der Massen" von Gustave Le Bon. Die Psyche der Menschen hat sich, auch wenn diese es gerne leugnen, in den letzten Jahrhunderten kaum geändert. #sportpalastrede #wirsindmehr