Wer zum Teufel ist Pete Buttigieg?

Die Demokraten sind auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten, um Donald Trump bei den kommenden Präsidentschaftswahlen Paroli bieten zu können. Der junge Bürgermeister Pete Buttigieg würde diese Herausforderung gerne annehmen und der erste homosexuelle Präsidentschaftskandidat der Geschichte der USA werden. Doch was hat der junge Mann außer seiner sexuellen Orientierung noch zu bieten?

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Seit einigen Wochen sieht man Pete Buttigieg in gefühlt sämtlichen US-Talkshows von Ellen DeGeneres über The View bis hin zur Daily Show, dem amerikanischen Pendant zur ZDF heute Show. Auch in den deutschen Medien liest und hört man den Namen inzwischen regelmäßig. Es scheint, als würde die komplette Medienmaschinerie diesen Mann zum neuen Hoffnungsträger der amerikanischen Politik hochstilisieren, quasi als Obama 2.0.

Bis vor kurzem war Pete Buttigieg [ausgesprochen: Booty-Judge] noch ein Niemand auf der weltpolitischen Bühne, jetzt ist überall in den Medien. Deshalb fragen wir uns, wer zum Teufel ist Pete Buttigieg?

Nun, Pete Buttigieg ist mit seinen dynamischen 37 Jahren einer der jüngsten Bürgermeister der US-Geschichte. Er übt sein Amt in South Bend, Indiana, aus, einer katholischen Hochburg. Dort wurde Pete Buttigieg auch geboren, und ging zur katholischen Eliteschule St. Joseph High School. Sein Vater Joseph Buttigieg, ein Immigrant aus Malta, war ein „hohes Tier“ an der katholischen University of Notre Dame in South Bend, Indiana, an der er Literatur lehrte. Joseph Buttigieg zeichnete sich u.a. dafür aus, dass er die Lehren des Postmodernismus von Michel Foucault und des Neo-Marxismus von Antonio Gramsci in die katholische Scholastik der University of Notre Dame einführte.

Nach seinem Schulabschluss studierte Pete Buttigieg aber nicht an der University of Notre Dame. Die katholische Universität wurde seinen großen Ambitionen wohl einfach nicht gerecht. Nein, Pete Buttigieg studierte Geschichte und Literatur, und zwar in Harvard, der reichsten und prestigeträchtigsten Universität in den USA. Aber auch hier würde Pete Buttigieg noch lange nicht Halt machen. Nach seinem Abschluss ging er mit dem Rhodes Stipendium nach Oxford. Dort studierte er dann Politik, Philosophie, und Wirtschaft.

Um erstmal Anlauf zu nehmen, arbeitete Pete Buttigieg nach seinem Studium für seine Verhältnisse recht bescheiden als Praktikant bei einem lokalen TV-Sender in Chicago, und später für eine politische Kampagne. Danach zog  er lukrative Jobs bei diversen Consulting-Firmen an Land, darunter auch McKinsey – die Creme de la Creme.

Um seinen Lebenslauf abzurunden, ging Pete Buttigieg anschließend als Reserveoffizier zur Navy. So kam es, dass er 2014, während seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister von South Bend, für sieben Monate in Afghanistan eingesetzt wurde.

Mit dem perfekten Lebenslauf in der Tasche, kandidierte Pete Buttigieg 2011 als Demokrat für das Amt des Bürgermeisters in South Bend. South Bend ist einer der wenigen demokratischen Bezirke im sonst republikanisch dominierten Indiana. Deshalb ist die Bürgermeisterwahl in South Bend im Grunde eine reine Formalität. Die demokratischen Vorwahlen (Democratic Primary) entscheiden wer der neue Bürgermeister wird. Hier musste sich Pete Buttigieg gegen vier Mitkonkurrenten durchsetzen. Mit einer sehr knappen Mehrheit sicherte sich Pete Buttigieg die Kandidatur für die Demokraten, und damit das Amt des Bürgermeisters.

Ach, fast hätten wir es vergessen, Pete Buttigieg ist homosexuell. Das hatte Pete Buttigieg auch bei seiner Kandidatur „vergessen“ zu erwähnen. Bei der demokratischen Vorwahl unterstütze die lokale „LGBT Rights“-Organisation sogar seinen Konkurrenten Ryan Dvorak. Pete  Buttigieg dagegen trat vor allem mit dem Image des „guten Nachbarjungen von der St. Joseph High“ an. Diese Tatsache ist im konservativen Indiana das bei der letzten Präsidentschaftswahl ganz klar für Trump abstimmte, nicht unrelevant. Erst nach seinem unausweichlichen Wahlsieg verkündete er öffentlich seine sexuelle Orientierung, sehr zum Schock des kleinen katholischen Städtchens. Aber diese winzige Tatsache hat natürlich keinerlei Einfluss auf die Ausübung seines Amtes als Bürgermeister, wie uns Pete Buttigieg versichern möchte. Dennoch hat „Mayor Pete“ große Ambitionen, nein, Pete Buttigieg hat einen Traum! Er möchte der erste homosexuelle Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Nach Obama wäre Pete Buttigieg damit  quasi die nächste große Errungenschaft der Bürgerrechtsbewegung. Das Amt des Bürgermeisters in South Bend sollte lediglich als Petes Sprungbrett ins Weiße Haus dienen.

Diese Vergleiche sehen die lokalen schwarzen Kirchgemeinden allerdings gar nicht gerne. Sie warfen Buttigieg vor, er würde ihre Geschichte stehlen. Davon abgesehen, konnte sich Buttigieg während seiner Amtszeit nicht gerade mit Ruhm bekleckern. Seine diversen Maßnahmen die Stadt „smarter“ zu machen (denn für den smarten Pete muss natürlich alles immer „smarter“ werden), reichen von erfolglos bis katastrophal. Die unter „Mayor Pete“ eingeführten „Smart Streets“ sorgten für Staus zu Stoßzeiten, wo vorher keine waren. Auch die von ihm eingeführten und kaum benutzten Fahrradstreifen behindern den Verkehr. Er „modernisierte“ die Abwasserkanäle, die er selbst als „die smartesten Abwasserkanäle der Welt“ bezeichnet. Diese sorgten während einer Flut anschließend dafür, dass die Keller etlicher Häuser mit Abwasser geflutet wurden. Er feuerte den schwarzen Polizeichef und ersetzte ihn durch einen Söldner aus Tajikistan. Außerdem „modernisierte“ er die Müllabfuhr und ersetzte die größtenteils schwarzen Müllmänner durch einen Müllwagen mit Roboterarm. Diese „großartige“ Modernisierungsmaßnahme senkte die Effizienz der Müllabfuhr erheblich. Zum einen ist der Roboterarm langsamer als das menschliche Personal ist, zum anderen passen die hochmodernen Müllwagen nicht mehr in die dafür vorgesehenen Müllgassen. Dies führt dazu, dass die Anwohner nun ihren Müll ein gutes Stück zur Straße zerren müssen, damit der Müllwagen die Tonnen umständlich zwischen parkenden Autos herausziehen kann, und dafür noch dreimal länger braucht. Ein Nachbar von Buttigieg äußerte sich ärgerlich über „Mayor Petes“ Modernisierungsmaßnahmen mit dem Kommentar „Wer den Anus für ein Sexualorgan hält, der versteht auch das Design von Müllgassen nicht.“

Trotzdem schaffte es Buttigieg 2015 mit 80% der Stimmen wiedergewählt zu werden. Dabei half natürlich das Image Buttigiegs als „gelassener, intellektueller, homosexueller“ Populist aus dem Herzen Amerikas – Ein wahrer Mann des Volkes eben. Doch Halt! Nicht so schnell; wir erinnern uns, in South Bend ist die Wahl im Grunde eine reine Formalität und 2015 gab es keine demokratische Vorwahl, da niemand gegen „Mayor Pete“ antrat, was ihm de facto den Wahlsieg garantierte. Bei der tatsächlichen Wahl lag die Wahlbeteiligung dann bei 11%, was Pete mit 9% der Stimmen der wahlberechtigten Bevölkerung den Wahlsieg sicherte. Wahrscheinlich ist seine Politik einfach zu progressiv für die „rückständigen“ Bürger Indianas. Denn Pete Buttigieg ist ein Mann des Volkes, solange die Bürger mit seiner Politik d’accord sind. Wenn sie das mal nicht sind, werden sie ganz schnell „rückständig“.

Ein hervorstechendes Merkmal von Pete Buttigieg, das sehr an Obamas Kampagne erinnert, ist die luftige Rhetorik und das Fehlen von konkreten Politik- und Gesetztesvorschlägen. Andere Kandidaten konnten sich dadurch profilieren, dass sie klar Position bezogen.

Tulsi Gabbard beispielsweise, die Kongressabgeordnete aus Hawaii, fordert eine klare anti-interventionistische Außenpolitik, sprich keine Kriege mehr im Mittleren Osten, und ein Ende des Bündnisses mit Saudi-Arabien, welches nachweislich Terrorismus in der Region und global unterstützt.

Der Entrepreneur und Philanthropist Andrew Yang zeichnet sich durch seine spezifischen progressiven Gesetzesvorschläge aus.

Das Fehlen von konkreten Positionen ist im jetzigen Stadium in Hinblick auf die Wahl in 2020 Vor- und Nachteil zugleich. Zum einen vermeidet man durch das Fehlen einer konkreten Plattform Kontroversen. Schließlich bietet man keine Angriffsfläche, wenn man für nichts steht, zum anderen kann man sich dadurch auch nicht profilieren.

Hier hören die Parallelen zu Obama nicht auf. Wie jeder gute Heilsbringerkandidat hat auch Buttigieg ein Buch geschrieben, das inzwischen auf den Bestsellerlisten gelandet ist. „Shortest Way Home: One Mayor’s Challenge and a Model for America’s Future“, heißt sein Werk. Damit ist sein Buch noch längst nicht so erfolgreich wie Obamas „Dreams from My Father“, aber die beiden Werke haben gewisse Gemeinsamkeiten. Es sind die Bücher einer Präsidentschaftskampagne, geprägt von Halbwahrheiten und luftiger Rhetorik, die beim Wähler Sympathien wecken sollen. „Was würde mein Nachbar über mich denken?“ fragt sich Pete Buttigieg in „Shortest Way Home“. Solche rhetorischenGriffe sollen den Kandidaten zugänglich erscheinen lassen. Ob „Mayor Pete“ tatsächlich daran interessiert ist was seine Nachbarn über ihn denken, ist jedoch fraglich.

Doch die größte Parallele zu Obama, ist dass Pete Buttigieg die Unterstützung von David Axelrod hat, einem der einflussreichsten politischen Strategen in Amerika und Obamas ehemaliger Kampagnenmanager, der Obama zunächst groß machte, und ihm später zur Wiederwahl verhalf.


Wer zum Teufel also ist Pete Buttigieg?

Pete Buttigieg ist lediglich eine Illusion. Eine wirkungsmächtige Illusion mit perfektem Lebenslauf, die von David Axelrod unterstützt wird, und in den Medien als neuer Heilsbringer und Zukunftsträger der amerikanischen Politik hochgepriesen wird. Doch dahinter steckt nicht sehr viel mehr als heiße Luft. Denn alles was Buttigieg bisher zu bieten hat ist Identitätspolitik. Er ist jung, ist christlich (Episkopalkirche), er ist homosexuell und er kommt aus dem Herzen Amerikas. Er steht für Tradition und Fortschritt zugleich. Damit ist Pete Buttigieg der perfekte Kandidat in der progressiven Parallelwelt der Medien. Zu Gast bei der Daily Show, kommentierte der Moderator Trevor Noah, sein Lebenslauf sei so perfekt, als ob er im Labor gezüchtet wurde.

In den Umfragen für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten führt momentan noch mit großem Vorsprung der ehemalige Vize-Präsident Joe Biden, gefolgt von Bernie Sanders und Pete Buttigieg an dritter Stelle. Bis zur demokratischen Vorwahl kann sich noch einiges ändern, wenn man Pete Buttigieg´s Omnipräsenz in den Medien sowie die Unterstützung von David Axelrod bedenkt. Ein weiterer „Game Changer“ wäre eine erneute Kandidatur von Hillary Clinton, die von einigen Washington-Insidern spekuliert wird. Was Pete Buttigieg zur Zeit von der Masse an anderen Kandidaten absetzt, ist im Prinzip seine Homosexualität, denn inhaltlich möchte er sich nicht konkret positionieren. Ob das für eine Kandidatur, geschweige denn für die Präsidentschaft reicht, ist fraglich. Wird seine Homosexualität ihn ins Weiße Haus katapultieren oder wird sie ihm die Präsidentschaft verwehren?

Update: Nach der ersten Debattenrunde steht Pete Buttigieg mit 4% in den Umfragen an fünfter Stelle. Platz 1: Ex-Vize Joe Biden, Platz 2: Senatorin Elisabeth Warren, Platz 3: Senatorin Kamala Harris, Platz 4: Bernie Sanders, und Platz 5: Bürgermeister Pete „Mayor Pete“ Buttigieg