„Wohnungsnot“ - Immer sind die anderen Schuld!

Alle reden über die steigenden Mieten und landaus, landein wird über Maßnahmen zur „Bekämpfung” der Mietpreise geredet. Der Staat soll mal wieder die Probleme richten, die er selbst herbeigeführt hat. Wo bleibt da eigentlich die Eigenverantwortung? Von Hubert Döring

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Mit welchem Thema wird man derzeit über die Mainstreammedien eigentlich am meisten belästigt: mit dem „Klima“, dem Kampf gegen „Rechts“ - oder mit der ?

Diese Frage kam mir beim Senderzappen in den Sinn, bei dem das Stolpern über öffentlich rechtliche, die Betroffenheit fördernde „Magazine“, wie Frontal 21, Fakt!, Panorama, und und und… nicht ausbleibt.

„Wohnungsnot“ wird dem Zuschauer in diesen Sendungen meist anhand von Fallbeispielen nahegebracht.

Aus der jüngsten Zeit blieb mir da ein armer Berliner Single, mit einem Monatsnettoeinkommen von nur siebzehnhundert Euro in Erinnerung, von denen er schon gut siebenhundert allein für seinen Mietzins entrichten „muss“…

…welchen sein raffgieriger, kapitalistischer Vermieter, nach einer erfolgten Sanierung der betreffenden Bleibe, in unverschämter Weise auch noch erhöhen will!

Auch das Porträt einer alleinerziehenden Mutter zweier Kinder, die aufgrund der von ihr zu tragenden Erziehungslast meint, nicht arbeiten gehen zu können, blieb mir im Gedächtnis.

Fälle die, um Mitleid heischend, dem Fernsehpublikum präsentiert wurden.

Meist läuft die betriebene Stimmungsmache („Berichterstattung“ kann ich es nicht nennen) darauf hinaus, dass der „Staat“ doch bitte mehr in sozialen Wohnungsbau investieren soll…

…und bei Fallbeispielen aus unserer Bundeshauptstadt fehlt selten der Verweis auf eine angelaufene Unterschriftenaktion mit dem Ziel, einen Volksentscheid zur Enteignung von Immobilienbesitzern durchzuführen.

Soll ich auf solche Ausstrahlungen mit Gelassenheit reagieren und einfach weiter zappen? Soll ich es abtun als Versuche zur Kundenbindung, wie sie der Springerverlag, im Printbereich zur Leser/Blattbindung einst mit „BILD kämpft für Sie“ vorexerzierte?

Ist die Ausleuchtung von „tragischen“ Fällen also nur Ausdruck eines wenig intelligenten „Framings“, zur Erhöhung der Akzeptanz von erzwungenen GEZ Beiträgen?

Über manch andere bewusst gesetzte Stolpersteine gehe ich womöglich hinweg ohne sie zu bemerken…

…aber wenn es in meinem Hinterkopf auch nur leise anklingelt, dass ich nicht nur über meinen „Rundfunkbeitrag“ für die Sendung bezahle, sondern mit meinem Steueraufkommen auch noch deren mögliche Folgen finanzieren muss, dann stockt etwas in mir - und der meiner Langeweile entsprungene Sendersuchlauf wird unterbrochen!

Es fällt mir schwer meinen eigenen Zorn zu beschreiben der in mir aufwallt, wenn sich „arme“ Menschen vor Kameraobjektiven positionieren, um ihre Forderungen an den Staat – also an ihre Mitbürger zu stellen.

Der angeblich minderbegüterte Alleinstehende der mir in Erinnerung blieb, hat, nach Abzug der Miete, monatlich eintausend Euro zur freien Verfügung…

…da geht doch bei mir sofort der Rechner an: welchen Kaufpreis kann ich stemmen wenn ich,  anstatt monatlich siebenhundert Euro an Miete zu bezahlen, selbst eine Wohnung finanziere?

Ich würde ein wenig Eigenkapital auf den Tisch legen und dann, dank der derzeitigen Zinssituation, mal in der Größenordnung von dreihunderttausend Euro ein geeignetes Objekt für mich suchen…

Für einen solchen Betrag gibt es in allen bundesdeutschen Großstädten zumindest kleine Appartements, aber der Schreihals aus dem Fernsehen braucht ja womöglich noch ein Spielzimmer für seinen Hund…

Ach so, das Eigenkapital? Na, da gab es mal so etwas das hieß „Sparen“. Jeder gesellschaftliche Aufsteiger kennt dieses Wort und seine Bedeutung!

Wenn jemand nach Abzug seiner Miete noch tausend Euro im Monat zur Verfügung hat, dann kann er gut sechshundert davon sparen. Da bewegt man sich zum Lebensunterhalt recht genau auf Hartz IV Niveau, was ja bekanntlich nicht nur zur Existenz, sondern auch zur „Teilhabe“ ausreicht…

Ein Leben auf Hartz IV Niveau, das ist sicher nicht wünschenswert, aber mit der Perspektive auf die eigene Unabhängigkeit, für eine gewisse Zeit sehr leicht zu ertragen!

Nebenbei: sechshundert Euro im Monat sind siebentausendzweihundert pro Jahr. Ist das für manche schon zu kompliziert zu errechnen um an solche Größenordnungen glauben zu können?

Noch eine Einstiegshilfe in die Welt des kapitalistischen Immobilienbesitzes: bei kleineren Objekten, die in einem gesunden Verhältnis zum eigenen Einkommen stehen, reicht es für eine Kreditzusage durch eine Bank meist aus, nur die Kaufnebenkosten auf den Tisch zu blättern…

Von welcher Arroganz, von welch anmaßenden Selbstverständnis wird jemand getragen, der sich der Mühsal eines Erwerbs verweigert, sich nicht zeitweilig einschränken möchte – und dann auch noch Dritte (den „Staat“) dazu auffordert, doch auch noch die Arbeit des Bauens für ihn zu übernehmen?

Welche Bedeutung messen Sich solche Typen bei, oder fehlt ihnen nur jegliches Schamgefühl, wenn sie ihre Forderungen öffentlich, in Kameraobjektive hinein, stellen?

Auch beim Denken an das zweite mir in Erinnerung gebliebene Exempel schüttelt es mich durch. Finanziell ist der Fall einer alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern, ohne ein eigenes Arbeitseinkommen, sicher anders gelagert als der eines Single mit siebzehnhundert netto…

...eine Immobilienfinanzierung dürfte für sie, als Erwerbslose, etwas schwierig sein…

Aber baut sich nicht jedes höher entwickelte Lebewesen ein Nest, bevor es seine Jungen zur Welt bringt?

Was die beiden Fälle eint, ist ihre Anspruchshaltung gegenüber der Gesellschaft: Vermögenslosigkeit ist ab einer bestimmten Einkommenshöhe nur ein persönliches Gefühl – und, den zweiten Fall betreffend: alleinerziehend wird man nicht einfach so…

Grund war entweder der Umstand, zu blöd zum Verhüten gewesen zu sein, oder einen Fehler in der Partnerwahl begangen zu haben!

…und daran kann es keine Zweifel geben!

Es handelt sich auf jeden Fall um einen individuellen Fehler, dessen Folgen jetzt der „Gesellschaft“ in Rechnung gestellt werden sollen!

…und das sehe ich nicht ein!

Ein jeder hat für die Folgen seiner Blöd- oder Trägheit selbst die Verantwortung zu tragen!

Womöglich regt sich bei einer solchen Argumentation in manch einem Mitleid. Vielleicht wird der Einwand erhoben, dass die junge Dame ja gegen ihren Willen vom Kindsvater verlassen wurde…

…aber dann kann eine Lösung nicht so aussehen, dass Forderungen an den „Staat“ gestellt werden, sondern höchstens an denjenigen, der den Ehevertrag gebrochen hat. Vielleicht sollte man in dem Zusammenhang mal über ein Schuldprinzip bei Scheidungen nachdenken…

Wenn aber sie auch noch selbst die Schuld daran trägt, verlassen worden zu sein? Was, wenn Sie ihrem früheren Partner ein Kuckucksei ins Nest gelegt hat?

Kuckuck: das ist dieser Vogel der es für selbstverständlich hält, dass andere ein Nest für seine Brut bauen…

…und dessen Brut die Eier seiner Wirtseltern aus dem von ihnen gebauten Nest wirft…

Welche Ansprüche werden erst die Kinder von Menschen entwickeln die, in reinster Kuckucksmanier, schon den Nestbau durch andere für eine Selbstverständlichkeit halten?