Editorial - Ausgabe 10

Die USA sind so gespalten wie nie. Schwarze, Frauen, Weiße, Männer, Gebildete, Arbeiter, Städter und Landeier, stimmen bei den Wahlen vollkommen anders ab. Rückt die persönliche Präferenz in den Hintergrund und entscheidet nur die Zugehörigkeit?

2016_Nationwide_US_presidential_county_map_shaded_by_vote_share.svg.png

Land der unbegrenzten Spaltung

Editorial Ausgabe 10

 

je roter, desto stärker die Republikaner; je blauer, desto stärker die Demokraten

 
 

In vielen Kreisen ist das Verhältnis zu den USA zwiegespalten; auch durch unsere Redaktion verläuft ein Riss. Putinversteher oder Trump-Anhänger? Aber auch ohne den Personenkult der beiden Präsidenten sagen die einen, die USA leben die Freiheit, die anderen kritisieren Sittenverfall und Arroganz der Weltpolizei.

Waffenrecht oder Amokläufe? Buntes Land oder Rassenhass? Vom Tellerwäscher zum Millionär oder Obdachlos in der Gosse? Größenwahn oder Selbstbewusstsein? Kontrolle Europas oder Schutzschild vor dem Russen? Kann zu viel Freiheit schaden? Die Libertären sagen nein, die Konservativen sagen ja. Aber haben die USA überhaupt viel Freiheit? Das Waffenrecht wird auch in den Vereinigten Staaten immer weiter eingeschränkt, vor Trump waren die Steuern höher denn je. Das soziale Netz von Obama-Care lockte illegale Migranten ins Land und zog den Bürgern das Geld aus der Tasche. Was man bei aller Kritik und Lobhudelei viel zu oft vergisst: Die USA (Plural!) sind extrem föderal. Vor 1787 waren sie sogar ein sogenannter Staatenbund, also ein Gebilde souveräner Teilstaaten. Heute ist zwar der Bund souverän, aber die Mitgliedstaaten haben noch immer eine starke Mitsprache und dürfen eigene Gesetze verabschieden.

Wie gespalten die USA allerdings sind, sieht man an der oberen Karte. In manchen Gebieten erhielt Trump über 90 Prozent der Stimmen, in anderen erhielt Hillary ebenso viel Zuspruch. Das hängt nicht nur von der ökonomischen Situation ab, wie unsere Lückenpresse gerne suggeriert („Die Abgehängten wählen Trump“), sondern hauptsächlich von zwei Merkmalen: Hautfarbe und Wohnort. Bei der obigen Karte sieht man die urbanen Zentren, die fast alle zu Hillary tendieren. Das hat wiederum viele Gründe wie Sozialisation, Collegebesuch, Bildung, Emanzipation der Frau und eine stärkere ethnische Vielfalt. Aber gerade der Unterschied bei der Hautfarbe ist erschreckend, zumal er niemals deutlich thematisiert wurde. Trump warb mit schwarzen Wählern, wohingegen Hillary betonte, dass der „normale Amerikaner“ sie wählen würde.

cGcgCFc.jpg

Die acht Karten in der Mitte zeigen die unterschiedlichen Wahlergebnisse in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren. Hätten nur farbige Einwohner wählen dürfen, wäre jeder (!) der 538 Stimmen des Wahlkollegiums an die Demokraten gefallen. Bei den weißen Männern hätten die Republikaner 493 Wahlmänner für sich gewinnen können, lediglich 45 Stimmen wären an die Demokraten gegangen. Der Autor betont gewohnt linksarrogant: „Gottseidank dürfen nicht mehr nur die weißen Männer wählen.“ Wenn du also in Zukunft von den kreischenden LGBT-Kriegern sprichst, denk an die Leute im Herzen Texas, die „Howdy“ rufen und Schwule hassen. Und wenn du von umherballerenden Waffennarren sprichst, denk an die kalifornische Antifa, die die Universitäten unter Kontrolle hält. Solche Gegensätze gibt es wohl nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ob wir uns in Deutschland in diese Richtung bewegen? Ganz bestimmt!