31. Januar 2023
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Baerbock – Ihre „Ausrutscher“ sind Kalkül

Annalena Baerbock MdB, Buendnis 90/Die Gruenen im Bundestag

Sie hat es geschafft. Ich hätte es nicht gedacht, aber Annalena „no matter what my German voters think“ Baerbock hat es geschafft, mich ratlos werden zu lassen; anscheinend habe ich mich geirrt. Dabei dachte ich lange Zeit, ihre wörtlichen Entgleisungen hätten kein System und würden mit persönlichen Defiziten zusammenhängen.

Und bereits bevor die grüne Stammlerin im Amt war, gab es in den letzten Jahren genügend Gründe, sich bei der Dreistigkeit der politischen Kaste gar nichts mehr fragen zu müssen: Anne Spiegel, die grüne Familienministerin, tritt zurück, nachdem sie nach der Flutkatastrophe im Ahrtal erst mal vier Wochen Urlaub brauchte – ein Bedürfnis, das auch Ursula Heinen-Esser, die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (CDU), verspürte. Armin Laschet und Jens Spahn (CDU); Masken-Deal und Masken-Affäre. Wirecard, CumEx, Maut-Affäre und wie sie sonst so alle heißen. Die einen logen dreister, die anderen weniger dreist – die einen wurden gegangen, die anderen traten freiwillig zurück oder blieben.

Und bei allen Vertrauensbrüchen ging ich weiterhin davon aus, dass es persönliche Inkompetenz, Bestechlichkeit, Egoismus oder einfach nur Böswilligkeit sei. Als Franziska Giffey von der SPD ihren Doktortitel aufgrund zahlreicher Plagiate entzogen bekam, dachte ich mir nichts dabei, schließlich erbarmen sich die wenigsten Politiker, Doktorarbeiten, Autobiografien und sonstige Schriftstücke tatsächlich selbst zu schreiben. Warum Giffey trotzdem zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin gewählt wurde? Na ja, „dit is Berlin“ sagt man sich da eben und schüttelt den Kopf.



Aber wie gesagt, Frau Baerbock hat mich wirklich zum Grübeln gebracht. Persönlich fallen mir etliche wörtliche Entgleisungen ein, bei denen man sich schon einmal hätte fragen können, in welche Richtung wir da eigentlich steuern. Als sie ins Amt kam und in der unsympathischen, trotzigen Baerbock-Manier die feministische Außenpolitik predigte, da dachte ich, mir sei klar, was das heißen würde: weinende Flüchtlingskinder in den Medien, eine „Wir schaffen das“-Mentalität hinsichtlich der Deindustrialisierung Deutschlands, bloß keinen Streit mit den tollen Menschen auf unserer bunten tollen Welt, Bürgergeld für alle und endlich Transgendertoiletten für die ideologisch und finanziell kaputtgeschrumpfte Bundeswehr. Junge, lag ich falsch!

Der Panzer gehört inzwischen wieder zum Spielzeug für die grünen Kinder in den Speckgürteln der deutschen Großstädte, Lützerath wird aufgrund von Deals einer grün-schwarzen Regierung weggebaggert, Nancy Faeser provoziert mit einer Armbinde die Kataris, und der Bundesregierung ist es völlig egal, dass man ihre Pipelines sprengt, solange man damit irgendwie Russland schadet. Dabei war Annalena schon immer für große Politik bestimmt, immerhin kommt sie ja „aus dem Völkerrecht“. Logisch also, dass der männlich gelesene Parteikollege Habeck mit dem Stallgeruch seiner Herkunft allerhöchstens ein paar Meter hinter ihr stehen darf, damit er den Duft des teuren Parfüms nicht übertüncht. Ach ja… die feine Frau Völkerrechtlerin, die im Europarat neulich mal wieder europäische Eintracht forderte, indem sie verkündete: „Wir führen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander.“ Mit dieser Aussage hatte sich etwas für mich geändert.

Es war dabei weder die abgehobene Weltfremdheit noch die immer gleichen Forderungen linksliberaler Politik, die mich ins Grübeln brachten, immerhin ist das nichts Neues. Es war die Entschlossenheit Baerbocks, trotz ehemaliger Kuschel- und Wohlfühlrhetorik, feministischer Außenpolitik und grüner Hippie-Mentalität für ihre Ideale einzustehen, den Wählerwillen zu ignorieren und die Worte „Krieg“ und „wir“ in den Mund zu nehmen. In dieser Hinsicht steht Frau Baerbock zu ihrem Wort, immerhin würde sie die Panzer persönlich an die Ostfront der EU fahren.

Ganz abgesehen davon, wie man dazu nun steht, muss ich wirklich sagen: So viel Entschlossenheit hätte ich kaum einem der Grünen zugetraut. Ich hätte eher noch darauf gewettet, sie klebten sich für „die Liebe“ oder einen ähnlich buntgewaschenen linksliberal gekaperten Begriff an den Panzern fest. Doch ich habe mich geirrt: Die Grünen werden tatsächlich militant, auf ihre Weise. Und natürlich hat das auch außenpolitische Konsequenzen.

Der „Tatort“-Kommissar Schimanski hat einmal gesagt, Deutschland sei der Ort zwischen den zwei Arschbacken Russland und Amerika. Aber anscheinend emanzipieren wir uns gerade wieder von dieser passiven Rolle und werden, ähnlich wie unsere grüne Außenministerin, zum „Young Global Leader“. Die Grünen denken als Partei wieder groß, gehen entschlossen vor und kümmern sich nicht darum, ob es den anderen gefällt. Ob Kataris, Amis oder Russen, sie sollten sich in Acht nehmen. Wie man das nun einordnen soll – tja, da bin ich überfragt.

„Mögest du in interessanten Zeiten leben“, lautet ein chinesischer Fluch. Ich hoffe jedenfalls, dass die Wähler ahnen können, wie interessant die nächsten Zeiten werden könnten.

Leonhard Pflüger

Leonhard Pflüger

Leonhard hat lange Zeit für die KRAUTZONE geschrieben, erlaubt sich jedoch gerade ein Sabbat-Jahr in bürgerlichen Umfeld. Wenn Haus gebaut, Kind gezeugt und die Milliönchen fließen, wird er erholt zurückkehren und die fleißigen Autoren um seine radikalphilosophische Perspektive erweitern. Wir warten.

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