Kurzkritik: „Sire" - Gibt es noch Hoffnung in einer geistlosen Zeit?

Den meisten deutschsprachigen Lesern ist der französische Autor Jean Raspail nur durch sein prophetisches Werk „Heerlager der Heiligen" bekannt. Der konservative Autor hat allerdings noch viele weitere interessante Werke verfasst, wie den 1991 veröffentlichten, monarchistischen Roman „Sire".

Quelle: Fabrice Bluszez, 2014.  https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Jean_Raspail.jpg

In einem fiktiven  Jahr 1999, eintausendfünfhundert Jahre nach der Krönung von Chlodwig I.  wird in der Königskathedrale Notre Dame de Reims wieder ein Prinz aus dem Hause der Bourbonen zum König von Frankreich geweiht. Der Auserwählte ist Philippe Charles François Louis Henri Jean Robert Hugues Pharamond de Bourbon, kurz Philippe Pharamond.  Gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Marie und seinen drei engen Gefährten Odon de Batz, Monclar und Joesslin, die die drei Stände Adel, Klerus und Dritter Stand repräsentieren, bricht Pharamond nachts zu Pferde reisend nach Reims auf, um den zwischen Gott und Frankreich geschlossenen Bund zu erneuern.  Der Autor des Buches Jean Raspail, bekannt in Deutschland durch seinen prophetischen Roman „Heerlager der Heiligen“, erzählt in „Sire“ ein royales Märchen.

 

Philippe Pharamond gleicht in seinem Wesen einem Idealkönig: gläubig, stark, klug und gütig. Die Reise des zukünftigen Königs durch sein Königreich bleibt natürlich dem französischen Volk und auch dem französischen Innenministerium nicht verborgen. Minister Pierre Roth, ein Mann ohne Prinzipien, ohne Religion und ohne Moral setzt Hauptkommissar Racado vom Geheimdienst auf die Spur der fünf Gefährten. Deren Spur verläuft von der Atlantikküste aus über die französischen Städte Saint-Benoit-sur-Loire, Saint Denis bis schließlich nach Reims. Doch die Reisenden bekommen unerwartet Hilfe von Königstreuen, die wie verlorene Posten meistens schon über mehrere Generationen auf ihren Auftrag warten.

 

Ein zentrales Element bei der Weihung der französischen Könige spielt dabei die „Heilige Ampulle“, ein Gefäß, in dem heiliges Öl aufbewahrt wird, mit dem jahrhundertelang die Könige gesalbt wurden. Während der Französischen Revolution wurde die Ampulle absichtlich zerstört, um damit der Monarchie ihre Legitimation zu entziehen. Wie Reste vom heiligen Salböl gerettet werden konnten, erzählt Raspail meisterhaft in wenigen Kapiteln. Ein stilistisches Merkmal dieses Buches ist das Gegenüberstellen der Heiligkeit bei Philippe Pharamond und des zeitgenössischen Nihilismus bei Pierre Roth und Racado. Pharamond darf nicht mit unserer heutigen atheistischen Welt in Berührung kommen, sonst scheitert der Auftrag, den Gott ihm auferlegt hat. Erzählt wird unter anderem auch von der grausamen Plünderung Saint-Denis'  und der Hinrichtung Marie-Antoinettes. Josef Johannes Schmid schreibt zu diesem Buch ein ausführliches Vorwort, das einen Einblick in die Tradition und die Riten der französischen Königsweihe vermittelt. Der Rezensent meint, dass „Sire“ das bislang schönste Werk Jean Raspails ist, ein königliches Stück, welches sich in mancherlei Hinsicht als prophetisch erweisen könnte.

 

Krautnote: 8.0

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