Beobachtung der JA durch den Verfassungsschutz

Unser Gastautor Can Ilgar kritisiert das Verhalten der JA-Spitze. Entweder man stellt sich hinter seine Mitglieder oder man distanziert sich von Anfang an von "radikalen Kräften".

Nachdem das Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg ankündigte, den dortigen Landesverband der Jungen Alternative ins Visier zu nehmen, schrillten die Alarmglocken des dortigen Landesvorstandes und einiger Bundesvorstandsmitglieder. Neben fünf baden-württembergischen Landesvorstandsmitgliedern kündigten auch einige Bundesvorstandsmitglieder aus Nordrhein-Westfalen ihren Rücktritt an. Gerüchten zufolge soll nun auch der Bundesvorsitzende Damian Lohr seinen Rücktritt planen.

 

Gegenüber den Medien sagte der baden-württembergische Vorsitzende, Moritz Brodbeck, dass die Beobachtung die "bedauerliche, aber letztlich nur logische Konsequenz fortgesetzten Fehlverhaltens eines nennenswerten Teils der baden-württembergischen JA-Mitglieder" sei. Jene Mitglieder hätten sich nicht zwischen der JA und der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung (IB) entscheiden können und so eine personelle Überschneidung beider Organisationen geschaffen. "Die rechtsradikalen Umtriebe in der JA haben ein Maß erreicht, das der AfD schadet", sagte JA-Vizechef Nicolai Boudaghi.

 

 

 

Nach den ganzen Vorwürfen wird klar, dass alle Vorstandsmitglieder am selben Strang ziehen: Der Grund für den Austritt sei die „Radikalisierung“ der Jungen Alternative, etwa auch die indirekte Kooperation mit der Identitären Bewegung. All dies sind prinzipiell Gründe, die man nachvollziehen kann. Einen Haken gibt es an der ganzen Sache aber.

 

Brodbeck, Leschik und Boudaghi sind keine Neulinge in der JA. Sie pflegen nicht nur hohe Ämter, sondern auch einen hohen Einfluss. Es stellt sich nach den Austrittsbegründungen die Frage: Wieso wurde nicht konsequent gehandelt, wenn man schon lange wusste, dass ein Teil der Mitglieder der Organisationen sich radikalisiert und sich nicht mehr an die Prinzipien der Jugendorganisation hält? Wieso haben ein Landesvorsitzender und drei Bundesvorstandsmitglieder nicht konsequent vor der Radikalisierung gewarnt und frühzeitig gehandelt?

 

Fakt ist: Die Beobachtung durch den Verfassungsschutz jagt den ausgetretenen Mitgliedern Angst ein - Angst davor, Opfer einer Rüge zu werden, für die sie aber eine Mitschuld tragen. Gerade Brodbeck, der laut Medienberichten selbst Teil der Identitären war, sollte für seine Fehler geradestehen. Ein Landesvorsitzender, der kritisiert, dass in seinem Landesverband Fehlverhalten eines nennenswerten Teils der Mitglieder begangen wurden, sollte sich hierbei Gedanken machen, wieso er sich nicht frühzeitig mit der Problemlösung befasst hat. Schließlich ist durch seine Aussagen entnehmbar, dass ihm die angebliche Radikalisierung seiner Mitglieder schon vorher auffiel. Wenn ein Landesvorsitzende einen Austritt erwägt, wenn der Inlandsgeheimdienst an der Tür klopft, zeigt er nicht, dass er keine Schuld hat, sondern verantwortungslos und schwach ist.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Lückenfüller (Mittwoch, 21 November 2018 17:27)

    Der Autor hat einfach nur recht. Wenn Probleme da sind, flieht man nicht. Man löst sie.

  • #2

    Dominik (Mittwoch, 21 November 2018 20:14)

    Feiglinge sind das.

  • #3

    Dieter Hartmann (Sonntag, 25 November 2018 12:48)

    Worum ging es überhaupt?
    Die Festellung, daß von Stauffenberg ein vierfacher Mörder war, der aus persönlichen und Machtmotiven einen Staatsstreich gewagt hatte, der,wenn er geklappt hätte, blutig von der Waffen-SS niedergeschlagen worden wäre.