Krisenwährung Gold - jetzt einsteigen?

Kaum stehen die internationalen Börsen nach jahrelanger Rallye etwas unter Druck, schon werden die Rufe nach ,,sicheren Häfen" wie Gold wieder lauter. Ist das gelbe Edelmetall tatsächlich eine geeignete Krisenwährung und warum übt Gold so eine ungeheure Faszination auf die Menschen aus?

Nach Golde drängt, Am Golde hängt. Doch alles. Ach wir Armen!

 

Schon der Dichterfürst Goethe wusste um die Strahlkraft des gelben Edelmetalls. Die ewige Liaison zwischen Mensch und Gold begann allerdings viel früher, wahrscheinlich zu Beginn der Kupferzeit. Die ältesten bisher bekannten Goldartefakte wurden in Bulgarien im Gräberfeld von Warna gefunden und werden auf 4600 bis 4300 vor Christus datiert. Zur Mythenbildung trug auch das Alte Testament bei, in den hebräischen Büchern kommt das „edle Metall“ sage und schreibe 389-mal (!) vor. Bis heute spielt Gold in nahezu allen Kulturen eine wichtige Rolle, ob als Schmuck, Wertaufbewahrungsgegenstand oder als Industriemetall.

 

 

Gold als Zahlungsmittel

 

Die Historie von Gold als Zahlungsmittel ist fast ebenso alt wie die Geschichte der Goldförderung selbst. Wer möchte, kann mit ein paar Mausklicks Münzen erwerben, mit denen schon die alten Römer und Griechen ihren Lebensunterhalt bestritten. Das Besondere am Gold ist seine Beständigkeit. Der Legende nach konnte man für eine Goldmünze in Rom eine Toga, das typische römische Gewandt, kaufen, während man heute für eine Unze (31,1 Gramm, circa 1100 Euro) einen guten Herrenanzug bekommt. Die Kategorisierung als Edelmetall verdankt Gold seiner Korrosionsbeständigkeit, was bedeutet, dass Luft und Wasser dem Metall nichts anhaben können. Gold kennt keinen Rost.

 

Zu dem hohen Wert trägt vor allem die Seltenheit bei. Würde man alles jemals geförderte Gold zu einem einzigen Würfel zusammenschmelzen, hätte dieser gerade einmal eine Kantenlänge von etwas über 20 Metern. Der weltweite Gesamtbestand wird auf knapp 190.000 Tonnen geschätzt zu denen jährlich etwa 3000 Tonnen dazukommen. Die hohen Fördermengen sind indes nur möglich, da sich die Technik immer weiter verbessert und heute Bohrungen in bis zu 5000 Metern Tiefe möglich sind. Der Erzgehalt in den Hauptförderländern geht derweil kontinuierlich zurück (Grafik!). Heute lässt sich aus einer Tonne Smartphones mehr Gold extrahieren als aus einer Tonne Golderz und in einer einzigen Stunde wird mehr Industriestahl produziert, als jemals an Gold gefördert worden ist.

 

Trotz dieser beeindruckenden Fakten, ist die Meinung bei Investoren sehr gespalten. Während „Gold-Jünger“ das Edelmetall als sicheren Hafen im Krisenfalle preisen, halten es Kritiker für maßlos überschätzt. Einer der bekanntesten Gegner ist der amerikanische Investor und Multimilliardär Warren Buffet. Vor Harvard-Studenten sagte Buffet sarkastisch: „Gold wird aus dem Boden in Afrika oder irgendwo sonst in der Welt ausgegraben. Dann schmelzen wir es ein, graben ein anderes Loch, verstecken das Gold wieder darin und bezahlen dann Menschen, um darum herumzustehen und es zu bewachen". Für Buffet ist Gold eine „unproduktive Wertanlage“, was er 2011 mit einem bildlichen Verweis auf den besagten Würfel unterstrich. Für den ließe sich das gesamte Ackerland der USA erwerben und anschließend hätte man noch genug Gold übrig um 16 mal ExxonMobil zu kaufen, seinerzeit das wertvollste Unternehmen der Welt mit einem Börsenwert von knapp 370 Milliarden US-Dollar. Der Investor würde einen Teil seiner Investition zurückbekommen und Werte erwirtschaften, während Gold „faul“ rumläge und nicht produktiv wäre. „Wenn Sie eine Feinunze Gold für die Ewigkeit halten wollen, haben sie am Ende immer noch genau eine Feinunze Gold."

 

 

Verbote und Restriktionen

 

Die Freunde des Edelmetalls sehen das verständlicherweise ganz anders. Für sie geht es hauptsächlich um die Inflationsabsicherung und den Schutz bei Krisen. Während Regierungen den Wert einer staatlichen Währung über Nacht auf null abschmelzen lassen können und Wohnungs- und Gesellschaftseigentümer enteignen oder nach Gusto besteuern können, sind Goldverbote deutlich schwerer umzusetzen. Trotzdem haben sie eine lange Historie. Schon Julius Caesar versuchte einer Schuldenkrise Herr zu werden in dem er zuerst die Zinsen erließ und später den Goldbesitz einschränkte. Mangels ausreichender Kontrollen waren seine Maßnahmen aber kaum erfolgreich. Allgemein war vor allem das 20. Jahrhundert durch zahlreiche Goldverbote geprägt. Während z.B. im Deutschen Kaiserreich noch mit Goldmünzen bezahlt wurde, wurde der Goldbesitz bereits in der Weimarer Republik verboten.

 

In der vermeintlichen Herzkammer des Liberalismus, den USA, war der private Besitz von Gold sogar über 40 Jahre, von 1933 bis zur Aufhebung der Goldbindung 1974, eingeschränkt. Die US-amerikanischen Gesetze gingen so weit, dass sogar im Ausland operierende Firmen in Händen von US-Amerikanern kein Gold besitzen konnten. So durften beispielsweise Opel oder Ford Deutschland über keinerlei Goldbestände verfügen. Tresore oder Schließfächer waren übrigens ein besonders beliebtes Ziel von Durchsuchungsmaßnahmen, weshalb das berüchtigte Bankschließfach nicht unbedingt als Aufbewahrungsstätte für den Krisenfall taugt. In Polen wurde der private Besitz erst kurz vor dem Mauerfall 1989 wieder erlaubt, allerdings nahmen es die meisten Polen mit den staatlichen Vorgaben nicht so genau. Eine polnische Rechtszeitung schrieb noch im selben Jahr: „Man wird wahrscheinlich in unserer Gesetzgebung schwerlich einen Rechtsakt finden […], der so oft wie dieser verletzt, missachtet oder übergangen wurde.“

 

 

Investieren oder nicht?

 

Die Investition in Gold kommt für viele Investoren einer Glaubensfrage gleich. Wer am Finanzsystem und der Zukunft der politischen Systeme zweifelt, ist in der Regel investiert. Viele klassische Investoren, wie Buffet oder der verstorbene „Börsenphilosoph“ André Kostolany halten dagegen rein gar nichts von Goldinvestments. Selbst über die Frage, ob der Goldpreis nun günstig oder viel zu teuer ist, können Goldkritiker und -Anhänger stundenlang streiten. Als Kritiker des Geldsystems halten wir den Kauf physischen Goldes als Kriseninvestment und Instrument zur Depotdiversifizierung durchaus für sinnvoll. Gold wird auch in hundert Jahren noch über einen gewissen Wert verfügen, was bei Anleihen, Gebäuden und Aktien nicht unbedingt der Fall ist. Allerdings halten wir die Kritik von Buffet und co für durchaus berechtigt, weshalb wir Gold eher als Beimischung und Absicherung einer Vermögensstrategie begreifen, denn als Hauptinvestment. Falls ihr euch für den Goldkauf entscheidet, kauft möglichst erst ab einer halben, besser aber einer ganzen Unze. Ansonsten sind die Ankaufkosten wegen der Handelsspanne verhältnismäßig hoch. Man unterscheidet zwischen Anlagemünzen, die etwa dem Materialwert entsprechen und Sammlermünzen, die deutlich teurer sein können. Wir empfehlen bei den ersten Käufen international anerkannte, stark verbreitete Anlagemünzen, z.B. Wiener Philharmoniker oder Krügerrand, wobei die schönsten Münzen natürlich im Deutschen Kaiserreich geprägt wurden! Der klassische Goldbarren, den ihr aus Filmen kennt, wiegt übrigens über 12 Kilogramm und hat einen Wert von fast einer halben Million Euro. Hier ist die Handelsspanne am geringsten, also wenn ihr noch etwas Kleingeld übrighabt, nur zu!

 

 

 

 

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