Ein Nachruf auf Medienliebling John McCain

John McCain ist tot. Aber bevor wir Krokodilstränen hervordrücken müssen, ein paar ehrliche Worte über den Kriegstreiber der Nation. John McCain hätte es so gewollt. Vielleicht auch nicht, aber das juckt uns eher weniger. Jang Modert reist durch die politische Karriere McCains, der bis zum bitteren Ende an seinem gutbezahlten Sessel festgeklebt hat.

Am 26. August dieses Jahres verstarb der amerikanische Senator John McCain im Alter von 81 Jahren an Krebs. Seine medienwirksam vorgetragene Gegnerschaft zu Donald Trump verhalf ihm in den vergangenen Jahren auch in Deutschland zu spätem Ruhm. Zuvor hatte sich der Russlandhasser vor allem als „Sunnyboy“-Obama unterlegener Präsidentschaftskandidat einen Namen gemacht. Wie so viele Menschen vor ihm, verlor auch Medienliebling John McCain schließlich den Kampf gegen den an Krebs und den unerbittlichen Lauf der Zeit. Erst vor wenigen Tagen hatte er angekündigt, die Chemotherapie einzustellen. Möge die Privatperson in Frieden ruhen.

 

Auf den Amtsträger McCain wollen wir jetzt aber mal einen genaueren Blick werfen. Schließlich dürfte kein anderer, toter, weißer Mann in den letzten Jahren eine derartige Anteilnahme seitens des deutschen Hauptstroms erfahren haben. Für den hellsichtigen Beobachter ein eindeutiger Hinweis, Skepsis walten zu lassen. Und siehe da, wer suchet der wird auch schnell fündig. Auch in Bezug auf den Rebellenliebhaber McCain, der mithilfe derselben gerne mal des Öfteren illegal und so unauffällig nach Syrien reiste (2013 und 2017 bestätigt), wurden deutsche Medienkonsumenten mal wieder heftig an der Nase herumgeführt. Zwar lassen sich die Gerüchte, dass er bei seinen völkerrechtswidrigen Treffen mit den sogenannten „moderaten Rebellen“ auch Kontakte zu Würdenträgern des IS etablierte, nicht nachweisen. Es erübrigt sich ansonsten aber fast zu erwähnen, dass er in Washington zur ersten Reihe der Interventionsforderer gegen Assad gehörte. Die sogenannten Stellungnahmen McCains zu allen möglichen Aspekten der Trump Politik flimmerten allerdings bis kurz vor seinem Tode über alle Bildschirme. Besonders gerne wurden seine Pöbeleien gegenüber Russland, etwa nach dem Trump-Putin Gipfel in Helsinki, zitiert. Denn zum einen hatte er sich spätestens seit der Ukrainekrise einen Ruf als vehementer Anti-Russe erworben. Bezüglich seiner beliebtesten Reiseziele dürften Syrien und der Maidan wohl in etwa gleichauf gelegen haben. Selbst für die Forderung, die die Fußballweltmeisterschaft nicht in Russland abzuhalten, war er sich nicht zu schade.

 

Der mittelmäßige Militärabsolvent McCain, dessen Hauptleistung in Vietnam darin lag, gefangen genommen zu werden, hatte sich um seinen Ruf als Kriegstreiber wohl verdient gemacht. Zum anderen wurden seine letzten Monate von einem bisher weitestgehend verschwiegenen Aspekt überschattet, den die FAZ nun endlich einmal festhält: Seit Dezember vergangenen Jahres saß der schwerkranke Senator nicht mehr im Parlament. Zuvor hatte er in seinen letzten Amtshandlungen prominent die Abschaffung von Obamacare zu Fall gebracht. Auch Trumps zaghafte Versuche, den amerikanischen Schuldenberg zumindest weniger schnell anwachsen zu lassen, gingen ihm in seiner letzten Abstimmung noch zu weit.

 

Mit der Freiheit, die er in anderen Ländern forderte, nahm er es zu Hause offenbar nicht so ernst. Ironischerweise hatte er sich 2008 noch ausgerechnet als Kandidat der Tea-Party Bewegung inszenieren wollen, die seinen politischen Forderungen diametral gegenüber steht.  Nun ist McCain weg, Obamacare dürfte die Amerikaner noch auf Jahrzehnte beschäftigen. Vor allem aber bleibt eine andere Erkenntnis. Obwohl er offensichtlich nicht mehr in der Lage war, sein Amt weiter auszuüben, klebte er an seinem nicht ausgefüllten Sessel, bis schließlich der Tod sie scheiden musste. Den Posten für einen jüngeren, vitalen Kollegen freimachen? Fehlanzeige. Zugleich stilisierten die deutschen Medien einen ans Bett gefesselten Wichtigtuer bis zur Letzt zur innenpolitisch repräsentativen Figur der Vereinigten Staaten hoch. Alles um ihren ebenso selbst- wie fremdvernichtenden Krieg gegen Russland weiter herbei schreiben zu können. Wie diese Information den internen Zensoren bei der FAZ durch die Finger gehen konnte, bleibt ein Rätsel. Der Nachruf erschien recht bald nach der eigentlichen Nachricht. Wie so oft waren die ersten Informationen wohl die Interessantesten. Nun gilt es vor allem abzuwarten, wer den seit Dezember de facto vakanten Stuhl übernehmen wird. Donald Trump durfte der Beerdigungszeremonie, auf Wunsch des Verstorbenen, übrigens nicht beiwohnen.

 

 

 

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