„Was Frau Merkel und Herr Macron machen ist illegal."

Wir haben mit dem Finanzexperten Peter Boehringer (AfD) ein ausführliches Interview geführt. Im zweiten Teil erläutert der Haushaltsausschussvorsitzende die Gefahren durch die „Eurorettung" einerseits und macht gleichzeitig deutlich, welche Schritte notwendig wären, um die schlimmsten Folgen für Deutschland noch zu verhindern.

Quelle: By David M. Reymann [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

KRAZ: Sie fordern ein „Ende der permanenten, planwirtschaftlichen, billionenteuren, vertragswidrigen Euro- ,Dauerrettung´.“ Verstehen Sie darunter lediglich ein verändertes System ohne Transferzahlungen oder wollen Sie die Rückkehr zu nationalen Währungen?

 

Boehringer: Ich habe seinerzeit schon Artikel gegen die ersten Brüche des Euro-Stabilitätspakts von 1997 geschrieben. Der wurde bereits 2004 von einigen Staaten gebrochen. Damals habe ich Artikel wie „Rückkehr zu Maastricht“ geschrieben. Das sagt auch die FDP mittlerweile im Bundestag. Das Problem ist, wir sind nicht mehr im Jahr 2004, sondern ungefähr 3 bis 4 Billionen Euro weiter. Das jetzige System würde sofort zusammenbrechen, wenn wir zu Maastricht zurückkehren und die EZB ihre täglichen Milliardenzahlungen einstellen würde. Ich sage zwar nicht explizit, dass ich den Euro abschaffen will – mit „zurück zu Maastricht“ könnte ich ebenfalls leben -, aber jeder unabhängige Vermögensverwalter weiß, dass bereits ein „zurück zu Maastricht“ das sofortige Ende des Euros bedeuten würde. Wenn Frau Merkel den Daumen senkt und sagt: „Wir retten den Euro nicht mehr, koste es was es wolle“, wäre es umgehend vorbei mit dem Euro.  

 

Wenn Sie oder Herr Draghi auch nur einmal Zweifel aufkommen lassen, werden die Märkte die südländischen Anleihen abverkaufen und die Zinsen werden innerhalb von Minuten in den 100, 200-Prozentbereich steigen. Im April 2010 hatten wir in Griechenland schon mal 200 Prozent Jahreszins und dann hat die EZB beschlossen einzugreifen. Griechenland war eindeutig insolvent. Die Märkte wollten die Drachme wieder sehen. Es war völlig eindeutig und das gilt mittlerweile für alle diese Südländer. Bei einem Ende der permanenten Rettungsmaßnahmen würden die Zinsen über Nacht unbezahlbar. Sie würden die Abwertungen, die seit 1999 nicht mehr stattfinden konnten, nachholen müssen. Das ist alles nur Ökonomie. Realwirtschaftlich ist der Euro viel zu teuer für die Südländer und viel zu billig für die Deutschen. Und diese Verwerfungen sind irgendwann nicht mehr auszuhalten. Deshalb spielt es am Ende des Tages keine Rolle, um die Frage zu beantworten, ob ich zu einem System der Transferzahlungen oder der nationalen Währungen zurückwill. Die Märkte sind am Ende ausschlaggebend. Die Märkte sind die Weisheit von Millionen von Leuten auf der Nachfrage- und auf der Angebotsseite. Es spielt keine Rolle, was der Boehringer denkt. Wenn die Märkte wieder dürften, dann wären nationale Währungen völlig unausweichlich.

 

 

KRAZ: Zwei Begriffe tauchen in Ihren Texten immer wieder auf, Target 2 (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System) und ESM. Können Sie dem wirtschaftlichen Laien die beiden Wörter kurz erläutern und veranschaulichen, warum sie, vor allem TARGET2, so eine große Bedeutung haben.

 

Boehringer: Über TARGET2 wird seit etwa sieben Jahren gesprochen, seitdem Professor Hans-Werner Sinn und Professor Helmut Schlesinger, danach auch ich, die Problematik in Deutschland aufgedeckt und publiziert haben. TARGET2-Salden sind Positionen auf der Aktivseite der Bilanz der deutschen Bundesbank, die indirekt Forderungen gegenüber den Euro-Südländern bedeuten, die es nicht geben dürfte. TARGET2 ist ein eigentliches Verrechnungskonto, was normalerweise immer nahe Null stehen müsste. Es geht dabei um Nachtsalden, die eigentlich am nächsten Tag ausgeglichen werden sollten.

 

Das System hat jahrelang so funktioniert, aber seit 2007 lässt die Bundesbank in unverantwortlicher Weise Salden auflaufen. Mittlerweile sind wir bei 900 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Bundesbankbilanz ist 1,4 oder 1,5 Billionen Euro schwer. Das heißt, diese Position macht über zwei Drittel der Bundesbankbilanz aus. Sie läuft dort unter „Sonstiges“, ist nicht weiter erklärt, aber natürlich hochgradig risikoreich. Wenn auch nur ein Land, zum Beispiel Italien mit über 450 Milliarden Euro Verbindlichkeiten gegenüber der Bundebank, aus dem Target2-System ausscheidet, dann muss die Bundesbank 450 Milliarden Euro abschreiben. Indirekt. Das ist jetzt etwas vereinfacht, da die EZB in Wirklichkeit der Schuldner ist. Spätestens wenn der Euro Geschichte ist – und das wird passieren! – ist TARGET2 zu 100 Prozent abzuschreiben. In diesem Fall müsste die Bundesbank mit ihrem Eigenkapital von etwa fünf Milliarden Euro sofort Insolvenz anmelden. Selbst, wenn jetzt Risikorückstellungen gebildet würden, was ich schon seit über 7 Jahren fordere.

 

 

Quelle: Andreas75 - Own work by uploder, data from Institute of Empirical Economic Research - Universität Osnavrück, CC4.0

 

Aber wie gesagt, es ist vereinfacht dargestellt. Der direkte Schuldner ist das europäische System der Zentralbanken und die sind, theoretisch, immer zahlungsfähig, weil sie das Geld einfach drucken können. Das hilft uns dann allerdings am Ende des Tages auch nicht mehr, da hyperinflationäre Entwicklungen anschließend unvermeidbar wären – auch wenn Mario Draghi (Präsident der EZB) und Jens Weidmann (Präsident der Deutschen Bundesbank) das anders sehen. TARGET2 ist unverantwortlich. Schon zehn Prozent Abschreibungen, und das wäre noch sehr konservativ gerechnet, auf die aktuell angehäuften 900 Milliarden Euro, würden die Bundesbank mehrfach überschulden. Als Konsequenz wäre Deutschland anschließend insolvent, was natürlich durch eine Rekapitalisierung aus Steuermitteln verhindert werde würde. Aber bereits eine zehnprozentige Risikorückstellung würde dazu führen, dass wir ein Drittel der deutschen Jahressteuereinahmen sofort zusätzlich bräuchten, um nur die Bundesbank am Leben zu erhalten. Und wenn die 900 Milliarden auf einmal fällig werden, dann haben wir drei Jahre nur für TARGET2 gearbeitet. Das ganze 80-Millionen-Volk.

 

 

KRAZ: Wird TARGET2 überhaupt zurückgezahlt, oder geht man davon aus, dass es sich alleine ausgleicht?

 

Boehringer: Es gibt keine Aussagen dazu. Natürlich könnte das passieren, wenn die Euro-Südländer durch ein Wunder über Nacht wettbewerbsfähig werden und alle einen ganz tollen Überschuss erwirtschaften. Das ist aber seit 10 Jahren nicht mehr der Fall und bei diesem Eurostand auch völlig unmöglich. Griechenland wird, auf absehbare Zeit, im Eurosystem nie wieder einen Handelsbilanzüberschuss erwirtschaften, genauso wenig wie Italien, Spanien, Portugal oder Frankreich. Auch Frankreich ist ja großer TARGET-Schuldner. Die einzige realistische Möglichkeit, wie TARGET tatsächlich eines Tages abgebaut werden kann, wäre ein Zusammenschluss der EU-Länder zu den Vereinigten Staaten von EU-ropa als souveräne Nation – illegal gemäß dem Verfassungsgericht und hart bekämpft von der AfD. In diesem Fall gäbe es keine 28 Bilanzen und keine nationalen Haushalte mehr. Eine riesige europäische Transferunion. Wir sind strikt gegen diese Entwicklung und berufen uns dabei auf das Bundesverfassungsgericht. Ohne eine Volksabstimmung darf es keine Vereinigten Staaten von Europa geben und eine solche Abstimmung hätte niemals eine Mehrheit. Was Frau Merkel und Herr Macron machen ist alles illegal und im Prinzip Hochverrat, wenn man so will. Das ist ganz klar gegen die Verfassung gerichtet und gegen die Staatlichkeit Deutschlands. Aber wenn es doch zu den Vereinigten Staaten von Europa kommt, dann haben wir am Ende eine große Bilanz und, wie durch ein Wunder, lösen sich dann die italienischen und französischen Verbindlichkeiten in Target2 und auch in allen anderen Verschiebebahnhöfen, zu Lasten Deutschlands, in Luft auf. Das kann man so machen. Es muss dann am Ende real abgebucht werden vom deutschen Vermögenssubstanz.

 

Zum Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM): Der ESM ist lediglich ein weiterer dieser Verschiebebahnhöfe. Die EZB selbst kauft Staatsanleihen und der ESM ist eigentlich nur eine Unterbilanz der EZB. Es wird demnächst auch einen neuen Mechanismus geben, der heißt dann Europäischer Währungsfonds. Den habe ich gerade auf dem Tisch im Bundestag. Es gibt bestimmt zehn solcher EZB-Programme, die alle nur den Zweck haben, das, was ich hier etwas vereinfacht darstelle, so intransparent und undurchschaubar wie möglich zu machen, dass es der Bürger nicht durchschaut. Sonst wäre er längst auf den Barrikaden.

 

 

KRAZ: In der aktuellen Krautzone beschäftigen wir uns unter anderem mit dem Geldsystem. Sie haben sich als Goldexperte einen Namen gemacht. Wären Sie für die Einführung eines Goldstandards, bzw. wo sehen Sie hier die Vor- und Nachteile? Wie stehen Sie zu dem gegenwärtigen Fiat-Geldsystem?

 

Boehringer: Zunächst mal rein realpolitisch: Als einzige Partei, neben der PDV, benennen wir das falsch gepolte Geldsystem in unserem Programm, thematisieren die Problematik und machen klar, dass wir uns mit dieser Thematik auseinandersetzen wollen. Ich habe das allerdings nicht ganz hoch priorisiert und ich bin immerhin finanzpolitischer Sprecher der AfD. Die Eurorettung ist momentan einfach realer und hier können wir wirklich etwas bewirken. Das Weltgeldsystemproblem können wir von Berlin aus selbst mit 100-prozentiger Mehrheit nicht lösen. Insofern ist das momentan ein theoretisches Problem, was man erstmal politisch nicht lösen kann. Aber natürlich beschäftigt mich das schon seit vielen Jahren. Der Goldstandard hat im 19. Jahrhundert funktioniert und er hat sogar bist 1971 (Anm. d. Red.: Abschaffung des Goldstandards, Bretton-Woods) funktioniert.

 

Alle Mythen gegen den Goldstandard sind falsch. Der Goldstandard hemmt weder das Wachstum, noch führt er zu Deflation. Das ist nicht nachweisbar. Es gibt physikalische, psychologische und vor allem historische Gründe, warum Gold sich als bestes Geld durchgesetzt hat. Trotzdem habe ich den Goldstandard nie, weder als Publizist noch als Politiker, propagiert. Ich fordere nicht die Einführung des Goldstandards, auch die AfD tut das nicht. Ich bin da Hayekianer durch und durch. Hayek hat den Wettbewerb der Währungen und der Geldsysteme propagiert. Er war der erste der das 1976 in seinem Buch „Denationalization of Money“ gemacht hat. Oft wird es falsch übersetzt mit „Entnationalisierung des Geldes“. Es ist aber eher „Entstaatlichung des Geldes“. Es geht darum, den Staat völlig rauszuhalten und das ist auch meine Meinung.

 

 

KRAZ: Wie sehen sie den momentanen Hype um Kryptowährungen? Sehen Sie hier eine geeignete Alternative zu nationalen Währungen?

 

Boehringer: Da muss man wirklich trennen zwischen der Theorie und dem was hier praktisch gerade abgeht. Ich glaube an den Wettbewerb der Währungen und keine noch so absurde Währung darf es nicht versuchen Weltleitwährung zu werden. Das ist völlig in Ordnung. Es gibt ja viele Ideen für Gelder, auch für völlig ungedeckte. Die Idee des Freigelds des deutschen Unternehmers Silvio Gesell ist beispielsweise schon über 100 Jahre alt. Diese Freigeldideen schwirren immer noch rum, und sind teilweise regional verwirklicht worden. Es hat allerdings nie funktioniert das weltweit zu etablieren. Nichts, mit Ausnahme des Goldstandards, hat sich jemals international durchgesetzt – vor allem nicht so erfolgreich. Deshalb war es auch kein Zufall, dass Hayek erst 1976, bzw. gerade 1976, den Wettbewerb der Währungen postulieren musste. Bis 1971 war eigentlich Gold das Medium schlechthin und der Sieger des Geldwettbewerbs, auch wenn dieser nie erklärt wurde. Das wurde 1971 radikal geändert und fünf Jahre später war Hayek der erste der das verstanden hat und dem bewusst wurde, dass ein neuer Währungswettbewerb vonnöten war.

 

Zum Thema Kryptowährungen: Als ich 2011 zum ersten Mal über das Thema Kryptowährungen geschrieben habe, war Bitcoin die einzige und stand bei etwa 30 Dollar pro Bitcoin. Ich habe es erstmal ideologisch begrüßt und fand gut, dass es so etwas gab. Ich wusste auch, dass es aus libertären Überzeugungen entstanden ist, von Computernerds zum einen, aber durchaus auch von libertären, staatskritischen Leuten, die etwas haben wollten womit man bequem zahlen konnte und einen Gegenentwurf zum staatlichen Monopolzwangsgeld hatte. Das ist erstmal super, aber ich war trotzdem ein bisschen skeptisch, weil Gold das gleiche leistet und dabei natürliches Geld ist. Um sich als natürliches Geld zu etablieren, muss der Gegenstand eine sehr, sehr lange Tradition haben. Auch Gold hat sehr lange gebraucht, um irgendwann „gefunden“ zu werden. Das war ein Findungsprozess gemäß Hayek, den niemand gesteuert hat. Ich glaube nach wie vor, aber das ist widerlegbar, dass die Menschen, wenn es hart auf hart kommt, eine Deckung der Währung sehen wollen. Kryptowährungen haben ja erklärtermaßen keine Deckung. Transaktionen funktionieren mit dem Bitcoin natürlich, aber das können auch andere. Geld muss verschiedene Funktionen erfüllen. Es gibt die Zählfunktion oder die Bewertungsfunktion und die erfüllen auch fast alle Geldsysteme. Aber es gibt halt vor allem die Wertaufbewahrungsfunktion. Und da haben sich die Kryptowährungen bisher noch nicht etabliert.

 

Es gibt noch keine Sparkonten von Leuten, die wirklich sagen: „Ich leg das jetzt für meine Rente hin“ oder „ich habe mein Bitcoin-Rentenkonto.“ Das gibt es nicht. Es ist im Moment eine spekulativ getriebene Währung, teilweise noch immer getrieben von ideologischer Überzeugung, die ich Ehre, aber das sind nur noch die Allerwenigsten. Die ursprünglichen Nerds sind kaum noch drin. Es sind ganz andere, die das jetzt treiben. Es ist auch eine Möglichkeit, mit Einschränkungen, anonym zu zahlen. Deshalb nutzen es viele Chinesen, um die heimischen Kapitalverkehrskontrollen zu umgehen. Das ist ein Teil des Hypes. Viele reiche Chinesen schaffen über Bitcoins ihre Yuans außer Landes, was sie sonst nicht dürften. Über Bitcoins funktioniert das relativ gut und man macht häufig auch noch einen Spekulationsgewinn zurzeit. Das finden die cool. Solange das gutgeht, geht es eben gut, aber das ist endlich. Ich weiß nicht wo der Bitcoin in einem Jahr steht, ich weiß aber, wo er in fünf Jahren steht: Zwischen 0 und 30 Dollar – das ist meine feste Überzeugung, da können sie mich in fünf Jahren nochmal zitieren (lacht): „Boehringer – der Irrtum des Jahrtausends“. Kurzfristig ist es schwierig Prognosen abzugeben, aber es kann ganz schnell abwärtsgehen, wenn es sich rumspricht, dass der Bitcoin eben nicht die Weltleitwährung wird, dass es keine Rentenkonten gibt und so gut wie niemand realwirtschaftlich mit Bitcoins bezahlt. Das war schließlich die ursprüngliche Idee und das wäre auch die Voraussetzung, um eine Weltleitwährung zu werden und eine noch höhere Marktkapitalisierung als zurzeit 400 Milliarden Dollar zu realisieren. Dazu kommen die technischen Probleme. Es ist nicht die zukünftige Weltleitwährung und nur das würde noch höhere Kurse rechtfertigen. So Leid es mir tut, ich sag das immer wieder, ich habe nichts gegen Bitcoins, überhaupt nichts, ideologisch ganz toll, die Idee war super, aber es wird nicht funktionieren.

 

 

KRAZ: Angenommen Sie wären Kanzler und Wirtschaftsminister in einer Person und hätten freie Hand. Welche wirtschaftspolitischen Reformen (nicht nur im Bereich der Geldpolitik) würden Sie als erstes umsetzen? Wo sehen Sie den drängendsten Handlungsbedarf?

 

Boehringer: Ohje, Utopos – „der Nichtort“. Ich bin ja nicht da. Sie haben ja in der Frage „nicht nur im Bereich der Geldpolitik“ betont. Aber es ist ja nach wie vor meine feste Überzeugung, dass daher die ganzen Verwerfungen kommen. Das hat mich ins Publizieren und in die Politik getrieben. Ich glaube, dass von der Geldpolitik auch gesellschaftspolitische Verwerfungen herrühren. Deshalb bin ich auch kein Verschwörungstheoretiker: Die Verwerfungen in der Politik sind eindeutig und der Rest ist eigentlich eine Kausalkette. Wenn man wie die Notenbanken jeden Tag eingreift in die Zinsfindung und von natürlichen 5 Prozent auf Staatsanleihen die Zahl drückt auf 1 Prozent oder sogar in den negativen Bereich, dann verzerrt man zunächst die Anleihenmärkte, da gibt’s riesige Blasen. Und man verzerrt die Kalkulationsbasis für realwirtschaftliche Projekte. Hier werden dann plötzlich Dinge auf Kredit finanzierbar, die sich in einer normalen Welt niemals realwirtschaftlich tragen würden, falsche Projekte werden angeschoben, damit meine ich nicht den „Kampf gegen rechts“, sondern echte realpolitische, realwirtschaftliche Projekte.

 

Man hat früher mal vom „Staatsmonopolkapitalismus“ gesprochen. Wir sind nicht mehr so weit davon weg. Es sind die Notenbanken, die diese Monopole und Oligopole schaffen und das ist dann irgendwann so krass, dass es gesellschaftliche Auswirkungen hat. Und deshalb, ich habe jetzt soweit ausgeholt, würde ich eben doch an der Geldpolitik anfangen was zu ändern. Das erste Opfer in Europa wäre der Euro, der ist einfach nicht zu halten. Das wäre natürlich ein riesiger Crash, aber man würde die Welt nicht 80 Jahre zurückwerfen, wir wollen ja nur 18 Jahre zurück, zu 1999, als es den Euro noch nicht gab. Mehr ist es nicht. Es ist nur ein Zurückdrehen um 18 Jahre. Es ist nicht viel. Das Problem sind natürlich die hohen Verbürgungsabschreibungen, aber mein Gott. Es wird Opfer geben, aber danach ist endlich wieder ein marktwirtschaftliches System da. Und da bin ich nach wie vor durch und durch Liberaler. Die meisten in der AfD übrigens auch, mit ein paar Ausnahmen vielleicht. Aber wir sind immer noch marktwirtschaftlich ausgerichtet. Wenn wir sozialpolitische Zugeständnisse machen, sie können es auch sozialdemokratische Zugeständnisse nennen, dann liegt das nur an der Notstandssitaution von Deutschland in der wir sind. Im Bereich der Migration und im Bereich des Eurowahnsinns.

 

In einer normalen Welt wäre die AfD wahrscheinlich sehr marktwirtschaftlich, dazu stehe ich schon. Alles andere ergibt sich, wenn die Wirtschaft endlich wieder Marktwirtschaft wird, dann werden auch die ganzen NGOs, die den ganzen Wahnsinn hier verursachen, über Nacht nicht mehr finanzierbar, weil es kein Falschgeld mehr gibt. Das sind alles indirekt staatliche und damit indirekt Zentralbankmittel, die zu dieser unglaublichen Fehlallokation führen. Es gäbe keinen Flüchtlingsrat, der sich privatwirtschaftlich finanzieren müsste. Dafür gibt’s keine private Nachfrage, es würde sich alles von selbst erledigen, es ist keine Verschwörungstheorie, es ist reine Ökonomie. Diese Leute machen ja sogar betriebswirtschaftlich alles rational. Die Kirchen sind die größten Flüchtlingsschlepperorganisationen, weil sie ja am meisten verdienen daran. Das ist aus deren Sicht rational. Das ist natürlich unmoralisch und nicht christlich, aber betriebswirtschaftlich es ist rational.

 

 

KRAZ: Würden sie denn sagen „Grenzen dicht“, wenn das System komplett marktwirtschaftlich wäre? Wenn es keine Sozialstaat in dieser Form gäbe? Oder würden die Leute trotzdem kommen, weil der Wohlstand ja immer noch gegeben wäre?

 

Boehringer: Grenzen dicht im wirtschaftlichen Sinn habe ich ja nie gesagt, das ist mir schon wichtig, im wirtschaftlichen Sinn wollen wir meinetwegen zu EWG-Zuständen zurück, das war noch ne gute Idee bis 1990. Ich habe noch kein AfD Mitglied getroffen, das die EWG abschaffen wollte. Ich damals auch nicht (lacht). Nationalstaaten können freie Handelsverträge schließen, Zölle runter, echte Freihandelsverträge. Kann man gut finden, muss man gut finden, das ist wohlstandsfördernd. Internationaler Handel, das ist seit Ricardo belegt, ist wohlstandsfördernd. Ich sage nicht „Grenzen dicht“, sondern Grenzen endlich wieder etablieren. Also wir haben sie ja nicht, sie sind illegalerweise aufgelöst worden. Ein Nationalstaat braucht Grenzen, jeder Organismus braucht Grenzen. Wenn man Ihnen die Haut abzieht, dann sind Sie sofort tot. Das ist die Grenze zur Umwelt. Jede Entität braucht das.

 

Natürlich gab es immer Wanderungsbewegungen, aber alles was zu schnell war, und das hier ist im Vergleich superschnell, wir reden vom hundertfachen Tempo der Völkerwanderung und damals gabs schon Mord und Totschlag. Es ist ein Wahnsinn dieses Tempo. Wenige kann man immer integrieren, selbst wenn es vielleicht die Falschen wäre, selbst die könnte man noch integrieren, aber was seit 2015 läuft ist völlig Unverantwortlich. Man muss hier die Grenzen nicht dicht machen, sondern nur wieder etablieren. Wir sind ja auch die Partei des Rechtsstaates, in diesem Sinne sind wir ja tatsächlich rechts, weil wir die Partei des Rechtsstaates sind. Und hier wird permanent Dublin II verletzt. Es kann niemand auf dem Landweg nach Deutschland kommen und legalerweise Asyl beantragen. Er müsste nach Dublin II, das ist nach wie vor geltendes Recht, sofort zurückgeschickt werden in das Land wo er herkam und die müssten ihn auch wieder zurückschicken in das Land wo er herkam, bis er an einer Grenze zu einem Land ist, wo es echte Verfolgung gibt. Das ist Dublin II. Das weiß auch jeder, das weiß sogar Herr de Maizière und das hat er auch mehr oder weniger zugegeben, Frau Merkel weiß das ebenfalls. Ein hoher Bundespolizist hat es sich schriftlich geben lassen, weil er wusste, dass er geltendes Recht verlässt. Das ist aber erst später raugekommen und bis heute ist der Befehl nicht wirklich veröffentlicht. Es gibt kein Gesetz, das ist nur ein Exekutivbefehl des damaligen Innenministers und Merkel ist natürlich auch im Hintergrund gewesen. Das ist völlig verrückt.

 

Es gibt diese Funktion des subsidiären Schutzberechtigten. Das ist ne völlig einmalige Sache, das macht nur Deutschland so, subsidiär heißt ja „hilfsweise“. Also wenn einer nicht Asyl beantragen kann, aber trotzdem hier ist, dann kann er aus anderen Gründen als Flüchtling anerkannt werden. Das sind alles keine Flüchtlinge, wir reden nur von Armutsflüchtlingen, Wirtschaftsflüchtlingen, das sind arme Leute, vielleicht sind aus wirklich Bürgerkriegsflüchtlinge. Aber selbst Bürgerkriegsflüchtlinge haben kein Aufenthaltsrecht. Das stimmt einfach alles nichts. Nur individuell politisch, die Betonung liegt auf politisch, Verfolgte, dürfen aufgenommen werden. Müssen aufgenommen werden nach dem deutschen Asylparagraphen 16a des Grundgesetzes. Ich könne jetzt noch ein paar andere Rechtsquellen aufzählen, die alle verletzt werden. Deutschland macht etwas, was kein anderes Land der Welt macht, und dummerweise,  da wir relativ wohlhabend sind, kommt dann noch die Unterstützungskomponente ins Spiel. Da wir den größten Sozialstaat haben und die größte Alimentierung bieten, wollen alle hier her. Deshalb sehen es die umliegenden Länder ja auch noch sehr entspannt, weil sie alle nur Transitländer sind. Ungarn dagegen sieht es nicht so entspannt, die wollen auch nicht mal Transitland sein. 

 

 

KRAZ: Die Zinsen sind historisch niedrig, während Immobilienpreise und Aktienkurse von Rekord zu Rekord jagen. Was würden Sie einem 20-Jährigen raten, der 10.000 Euro von seiner Oma langfristig anlegen möchte?

 

Boehringer: Also wenn es wirklich langfristig sein soll, bleibt mir nichts übrig als zu sagen: Kauf das, was unterbewertet ist und das sind Immobilien nicht mehr, obwohl sie immerhin Sachwerte wären. Man kann in diesem Umfeld eigentlich nur zu Edelmetall raten. An der Stelle bin ich platt, mir fällt da auch nix anderes ein im Moment. Man sollte trotzdem nicht alles da reinlegen, es gibt nämlich das Verbotsrisiko, das kann man nicht wegdiskutieren. Also nicht alles da reinlegen und man kann ja auch einiges verkonsumieren, dann sind sie ja auch systemtreu, denn genau das sollen wir ja machen, auf Pump noch möglichst viel verkonsumieren. Das kann man machen (lacht). Dann ist zumindest nichts verloren. Dann hat man was von seinem Geld. Man ist dann nicht mal systemkritisch an dieser Stelle, da ist man systemkonform. Systemkritisch ist man, wenn man in Gold anlegt. Man hat dann beide Komponenten abgedeckt. Vermögensberatung in diesen Zeiten ist wirklich schwierig. Adorno hat mal gesagt es gebe kein richtiges Verhalten im falschen System. Das ist hier tatsächlich so.

 

 

KRAZ: Was sind ihre Ziele mit der AfD in diesem Jahr und so soll es in den nächsten Jahren noch hingehen?

 

Boehringer: Also mich treibt, und vor allem auch die AfD treibt, den völligen Untergang Deutschlands abzuwehren. Der wirtschaftliche über den Eurowahnsinn droht und zwar in superschnellem Tempo. Wir reden nicht von Jahrzehnten, wir reden von Jahren. Auch die Grenzauflösung, die ja eigentlich identisch ist mit einer Islamisierung des Landes, weil 85% der Leute sunnitische, männliche Flüchtlinge sind. Alle gläubig. Das ist das schlimmste Klientel, das man sich vorstellen kann für ein libertäres freiheitliches Gemeinwesen. Also das ist absurd, das Linke und Linksliberale, auch Frauenrechtler, sich hinstellen, diese Leute begrüßen. Die wählen und lassen ihre eigenen Schlächter rein, man muss es wirklich so formulieren. Damit meine ich nicht den einzelnen Moslem, da gibt’s natürlich friedliche Leute, es gibt sogar Leute, die den Koran ablehnen, nur dürfen sie das nicht öffentlich tun, sonst leben sie alle gefährlich. Diese Gefahr muss abgewendet werden,  sonst haben wir kein lebenswertes Deutschland mehr für unsere Kinder. Ich habe selbst zwei Töchter, ich will nicht, dass die sich irgendwann verschleiern müssen, und das ist alles nicht mehr Jahrzehnte weg, das ist auch alles kein Rassismus, der Islam ist keine Rasse. Die ganzen Vorurteile gegen die AfD sind Abwehrstrategien, durchschaubare Abwehrstrategien, von Leuten, die keine Argumente haben. Gegen die Rechtsbrüche die sie selbst begehen, gegen die Verfassungsrechtsbrüche, gegen die Anschläge gegen das deutsche Volk, gegen den deutschen Volkswillen. Das sage ich jetzt mal wirklich so, weil nichts von dem, wovon wir gerade reden, ist jemals einem Referendum unterworfen worden, was absolut zwingend wäre. Und deshalb sind wir, und deshalb bin auch ich im Bundestag. Es geht nicht anders, einer muss es tun. Wir bleiben hoffentlich nicht alleine, 6 Millionen Wähler haben wir jetzt ja schon, aber es sind noch viel zu wenige, die sich trauen und viel zu viele trauen noch den Mainstream-Medien, deshalb vielen Dank, dass ihr da zumindest, in Form dieses Interviews, einen Kontrapunkt setzt.

 

 

KRAZ: Vielen Dank für das Gespräch

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Kommentare: 7
  • #1

    LarsVega (Dienstag, 22 Mai 2018 13:10)

    Super Interview. Mehr davon =)

  • #2

    Hans Kolpak (Dienstag, 22 Mai 2018 14:21)

    Target2 ist eine Statistik, kein Kreditvertrag. Die Beträge können dort nur auftauchen, weil sie überwiesen worden sind. Ich zitiere, was ich Herrn Boehringer vor ein paar Monaten bereits geschrieben habe:

    Lieber Herr Boehringer,

    da ich www.AfD-Forum.eu betreibe, können Sie sich Ihren eigenen Reim über mich machen.

    Die Target2-Propaganda wollte mir nie in die Birne rein. "Irgendetwas stimmt da nicht!", dachte ich mir. Am 15. März 2017 machte ich mich schlau und trug die Essenz fachlich fundiert auf www.dzig.de/Target-2-Desaster zusammen.


    24. April 2012 | Peter Burgold und Sebastian Voll: Mythos TARGET2 — ein Zahlungsverkehrssystem in der Kritik

    und

    5. April 2012 | Herget Stephan - Target2-Salden: Ursachen und Problematik

    "Das Geld, das über das Target2-System nach Deutschland und die anderen Staaten fließt, die Target2-Forderungen aufweisen, wird nicht von ihnen finanziert. Vielmehr wird es durch die nationalen Zentralbanken der GIIPS-Staaten gemäß der Vorgaben der Europäischen Zentralbank in Folge von Refinanzierungskrediten geschöpft. Deutschland finanziert folglich auch keine vorhandenen Leistungsbilanzdefizite. Es existieren somit keine sogenannten „Target-Kredite“. Target2-Verbindlichkeiten und Forderungen stellen keine reale Verschuldung der GIIPS-Länder gegenüber Deutschland dar. Sie dokumentieren lediglich den Geldfluss aus den GIIPS-Ländern nach Deutschland. "

    Warum zielt die Propanda in eine völlig andere Richtung? Warum hat sich die AfD diese Irreführung der Massen zu eigen gemacht? Selbst auf Hartgeld.com kapiert keiner, wie der Hase läuft!

  • #3

    Geronimo (Dienstag, 22 Mai 2018 15:21)

    Herr Böhringer hat in den meisten Punkten absolut recht und das kann man nur unterstützen. Trotzdem wird die Vernunft nicht siegen und auch die AFD wird sich gegen die etablierten Parteien nicht durchsetzen können. Die Transferunion mit Aufhebung der Nationalstaaten war mit Gründung das erklärte Ziel für Europa, genauso wie die Massenzuwanderung. Nur durch exorbitant hohe Schulden und andauernden Krisenzustand fließt das Geld von den Bürgern zur Elite und sichert die Implementierung eines zentralistischen EU-Staates nach kommunistischem Vorbild.

  • #4

    webmax (Dienstag, 22 Mai 2018 16:44)

    Target 2 funktioniert wie ein Waldorfendes Konto, Herr Köppel. Da haben Sie Recht. Im Ernstfall, oftmals Crash betitelt, werden die Sollbeträge aber fällig gestellt! Und D ist dann mit 27% haftend dabei.

  • #5

    webmax (Dienstag, 22 Mai 2018 16:47)

    "Waldorfendes Konto", na sowas... "Saldierendes" war gemeint.

  • #6

    SvHohenhau (Dienstag, 22 Mai 2018 18:30)

    zu # 2 Hans Kolpak
    Selbstverständlich weisen die Target2-Salden Kreditforderungen und Kreditschulden im Target-System aus und sind nicht bloße "Statistik" (welch weit verbreiteter Laienunsinn!): Nachzulesen unter www.target2.de und dort speziell im Schreiben vom 20.03.2012 an Präs. Jens Weidmann zur Thematik "Target-2-Salden".

  • #7

    Hans Kolpak (Samstag, 26 Mai 2018 21:06)

    Sehr geehrter Herr Dr. Siegfried von Hohenhau,

    bei aller Bescheidenheit: Ich nutze, was mir an Verstand verblieben ist.

    Ich zitiere Jens Weidmann aus http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/standpunkt-jens-weidmann-was-steckt-hinter-den-target2-salden-11681939-p2.html

    12. März 2012
    "Die Kritik an den Salden per se ist insofern - und dies hat die Bundesbank immer wieder betont - nicht sachgerecht. Für mich stellen die Target2-Forderungen der Bundesbank auch kein eigenständiges Risiko dar, weil ich ein Auseinanderbrechen der Währungsunion schlichtweg für absurd halte.

    Ob und wie stark Verluste aus der Liquiditätsbereitstellung auf die Bundesbankbilanz durchschlagen, hängt nicht von der Höhe der Target2-Forderungen der Bundesbank ab. Dies gilt auch für den hypothetischen und in der Öffentlichkeit breit diskutierten potentiellen Austritt eines Landes mit negativen Target2-Salden. Auch in einem solchen Fall, von dem ich nicht ausgehe, ist das Risiko ursächlich in der Art und dem Umfang der Liquiditätsbereitstellung begründet. Hierbei könnte es zu teilweisen Forderungsausfällen bei der EZB kommen. Verluste der EZB wären aber gegebenenfalls von allen Notenbanken des Eurosystems zu tragen - unabhängig von deren Target2-Saldo."