USA - Weltmacht des Friedens

Reihe Krautsalat: Unser Kolumnist Erik analysiert die Außenpolitik der USA und entdeckt einige nicht ganz unerhebliche Parallelen zu früheren „Interventionen". Welche humanistischen Ziele unsere „Befreier" wohl diesmal verfolgen?

Ihr kennt doch sicherlich alle dieses Gefühl: Aus heiterem Himmel überkommt euch die nagende Ahnung, dass ihr die Situation, in der ihr euch gerade befindet, schon einmal erlebt habt. Manch einen mag das faszinieren, manch anderen einfach nur beunruhigen. Ist es auf der einen Seite eine fantastische Idee, dass unser Universum Geheimnisse birgt, die zu solchen Wahrnehmungen führen, ist es doch andererseits auch beängstigend, in was für „Matrix“-artige Gedankenexperimente uns diese Vorstellung versetzen kann. Nun, ich tendiere momentan zu Letzterem.

 

Die USA greifen auf Grund dubioser Chemiewaffen-Anschuldigungen ein ohnehin vom Krieg zerrüttetes Land im Nahen Osten an, welches von einem als grausam geltenden Diktator regiert wird und unter terroristischen Organisationen leidet.

 

Da klingelt doch etwas ganz vage in meinem Hinterstübchen... War da nicht so ein klitzekleiner Vorfall vor 15 Jahren, in einem dieser bedeutungslosen, ehemals osmanischen Dritte-Welt-Löcher? Stimmt, das Ding hieß Irak.

Ich habe mich immer noch nicht entschieden was meine liebsten Folgen dieser völkerrechtswidrigen „Renovierungsaktion“ am Persischen Golf waren. Der Aufstieg der Al Quaida und des IS, die seitdem international eine Bombenstimmung verbreiten? Vielleicht auch die halbe Millionen toter irakischer Zivilisten und insgesamt auf beiden Seiten über 40.000 getöteten Soldaten? Oder doch lieber die dadurch ausgelöste internationale Flüchtlingskrise und endlich mal wieder etwas Sklaverei in diesen bis dahin viel zu zivilisierten Regionen der Erde?

Ach, was für eine schwere Entscheidung.

 

Zurück in die Gegenwart. Was man Trump zugutehalten muss: Assad hat es ja wirklich drauf angelegt. Nachdem er das letzte Mal das Giftgas Sarin eingesetzt hat und ihm dafür sein Luftwaffenstützpunk Skayrat kaputt gebombt wurde, hätte er nun wirklich absehen können, was diesmal dabei rumkommt.

 

Was sagt ihr da? US-Verteidigungsminister Mattis räumte ein, dass es immer noch keinerlei Beweise gibt, dass die Regierung für den Einsatz des Gases verantwortlich sei?

Ach, das kann ja schon mal vorkommen. Assad hatte doch diesmal gute Gründe in Duma einen Anschlag zu verüben. IS und Al Quaida waren fast besiegt und es wäre doch viel zu einfach gewesen. Wenn das Spiel gut ist, will man doch nicht gleich den Endboss besiegen, da macht man lieber noch eine Nebenmission. Da dachte sich Assad wohl „Wäre es nicht ein Mordsspaß, wenn man die USA, Großbritannien und Frankreich dazu bringen könnte, jeglichen militärischen Fortschritt, den man in dieser Region bereits gemacht hat, zurückzuwerfen? Schrauben wir den Schwierigkeitsgrad mal etwas hoch!“

 

Klingt...realistisch. Vor allem, da exakt dieses Gas 2016 von den Rebellen, die nun Assad beschuldigen, gegen Kurden eingesetzt wurde. Willkommen in Amerika, wo eins plus eins plötzlich blau ergibt. Wobei Klugheit auch stets subjektiv ist. So eine possierliche kleine Pipeline durch Syrien klingt doch gar nicht mal übel, gell? Und wenn man zeitgleich auch noch vom neuen Enthüllungsbuch des Ex FBI Chefs Comey ablenken kann, umso besser. Hat ja damals bei Clinton auch funktioniert. Wer nimmt ihm noch den Oval Office Oralverkehr übel, nachdem er zur Wiedergutmachung den Irak bombardiert hat?

 

Spaß beiseite. Trump meint es doch nur gut! Er sorgt sich um die Menschenrechte. Seid doch alle mal ein wenig dankbar, dass er sich um die Menschen in Syrien kümmert! Denkt an all das Unrecht, das ihnen dort widerfährt. Stellt euch vor wie wunderbar der es im Irak sein könnte, wenn man Assad stürzen und eine Demokratie errichten würde. Es könnte so traumhaft werden wie in Libyen nach Jahren des Machtvakuums. Bürgerkrieg, Mord, Vergewaltigung und Sklaverei – alles inklusive!

Ja, das ist ganz nach westlichem Geschmack. Es geht doch nichts über die US-amerikanische Tradition der Präventionskriege.

 

Ganz abgesehen davon, ob dieser Angriff gerechtfertigt war oder nicht, die Auswirkungen waren wirklich spektakulär! Während Fox News die USA als „Größte Supermacht der Welt“ feiert, kam ich mal ins rechnen. Es wurden ganze 105 Fluggeschosse eingesetzt, die je 800.000€ wert sind, das macht dann schlappe 84 Millionen für den Abriss dreier Gebäude. Notiz nehmen Deutschland, Abrissservice USA übernimmt, falls ihr mal wieder irgendeine leerstehende Fabrik sprengen wollt. Einfach twittern, dass an dem gewünschten Ort Giftgas eingesetzt wurde, und dann kann man sich getrost die Kosten einer regulären Sprengung schenken. Der Trump-Supersale, nur für Neukunden.

 

Wo wir gerade bei Twitter sind: Das ist eine Premiere! Der erste Krieg der über Social-Media begonnen wird! Was kommt als nächstes, EU-Gesetzesinitiativen auf Facebook? Nato-Beschlüsse durch Bento Umfragen? Weitere deutsche Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien, weil sie von der Vorgängerregierung (Haha, damals, in den guten alten schwarz-roten Zeiten, nicht zu vergleichen mit unserer jetzigen Koalition!) beschlossen wurden? ...Oh, wartet mal, dem wurde ja bereits zugestimmt.

 

Wie dem auch sei, ich freue mich! Die Integration in Europa läuft gerade eh so fantastisch gut, da werden ein paar hunderttausend syrische Armutsmigranten mehr auch nicht schaden. Bis dahin sollten wir nur schon mal in jeder Stadt genügend Moscheen bauen und den Islam zur Staatsreligion machen.

A Mords-Gaudi wird des!

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