Holt die Olympischen Winterspiele nach Deutschland!

Die Deutschen Olympioniken begeistern die Zuschauer in der Heimat. Allerdings warten Sportler und Wintersportanhänger hierzulande schon fast seit einem Jahrhundert auf Olympische Winterspiele auf deutschem Boden. Das muss ein Ende haben!

 

Während die deutschen Winterolympioniken gerade das beste Ergebnis ihrer Geschichte einfahren, ist es etwas in Vergessenheit geraten, dass wir die deutschen Erfolge beinahe vor unserer Haustüre hätten feiern können. München hatte sich bereits 2009 mit einem starken Konzept um die diesjährigen Winterspiele beworben, scheiterte jedoch später an den Koreanern, die sich mit Pyeongchang bereits zum dritten Mal bewarben und dank dickem Mittleidsbonus deutlich gegen die bayerische Konkurrenz durchsetzen konnten.

 

Lagen die Zustimmungsraten in Deutschland für die Austragung der Olympischen Spielen vor einigen Jahren noch zwischen 60 und 75 Prozent, muss mittlerweile wohl von deutlich geringeren Zahlen ausgegangen werden. Die wirtschaftlichen Machenschaften des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) und die Dopingskandale der letzten Jahre sind an den Menschen nicht spurlos vorbeigegangen. Für die Olympischen Winterspiele 2022, die letztendlich in China stattfinden werden, fanden sich am Ende überhaupt nur zwei Bewerber, die beiden „traditionsreichen“ Wintersportstädte Almaty in Kasachstan und Peking. Die Bewerbungen für die Sommerspiele 2024 und 2028 gerieten für das IOK komplett zum Desaster und man war froh, überhaupt einen Austragungsort für die Spiele zu finden. Die beiden konkurrenzlosen Bewerberstädte Los Angeles und Paris durften den Vergabetermin letztendlich unter sich ausmachen.

 

In Hamburg und München wurden derweil Referenden durchgeführt, die, wie in so vielen Bewerberstädten weltweit, abgelehnt wurden. Seitdem fristet das Thema Olympiabewerbung in Deutschland ein eher stiefmütterliches Dasein und den zaghaften Annäherungen Berlins an das Thema kann man wohl kaum Gewichtung beimessen. Trotz oder gerade wegen dieser Entwicklung sollte man dem IOK zugutehalten, dass man ernsthaft gewillt scheint ein „Weiter so“ zu vermeiden. Das Thema nachhaltige Nutzung von Sportstädten steht mittlerweile ganz oben auf der Agenda. Die Spiele in Los Angeles werden privat finanziert und alle Wettkampfstätte sind vor und nach den Spielen in Betrieb. Zudem hat sich das IOK bereiterklärt 1,8 Milliarden Dollar für Jugendprojekte vor Ort zur Verfügung zu stellen.

 

Unter diesen neuen Vorzeichen sollten auch die Deutschen ihre Meinung zu den Olympischen Spielen noch einmal überdenken und die bisweilen militante Antihaltung einmal in Ruhe infrage stellen.

 

Es verwundert wohl kaum, dass der Hauptgegner der Olympischen Spiele in München Landtagsabgeordneter der Grünen war. Jemand, der die hohen Kosten und die Umweltzerstörung im Vorfeld möglicher Spiele geißelt, während seine Partei im gleichen Atemzug die milliardenschwere Aufnahme von Migranten gutheißt. Für das Geld könnte Deutschland Jahrhundertelang Olympische Spiele austragen und das halbe Land aufforsten. Noch unsinniger waren die Hamburger Ängste bezüglich eventueller Mietpreissteigerungen durch die mögliche Austragung der Spiele. Mit der gleichen Argumentation könnte man die Ansiedlung jeder großen Firma infrage stellen. Es könnten ja neue Arbeitsplätze mit entsprechendem Wohnraumbedarf entstehen…

 

Gerade mit dem starken Ergebnis aus Pyeongchang und der allgemeinen Euphorie im Rücken, sollte man in Deutschland noch einmal gründlich über eine Bewerbung nachdenken. Seit fast einem Jahrhundert warten die hiesigen Wintersportanhänger und mittlerweile auf erneute Spiele „dahoam“ und mögliche Anstrengungen, die Spiele nach Deutschland zu holen, wären eine gebührende Anerkennung für die tollen Leistungen der deutschen Sportler. Außerdem wäre es ein wichtiges Zeichen für die Jugend, der man ständig die Wichtigkeit körperlicher Betätigung predigt, es im selben Atemzug aber nicht für nötig hält, sie in der Breite und in der Spitze entsprechend zu fördern. Es gibt mehr als nur Fußball und das sollte man jungen Menschen auch vermitteln.

 

Die Jugend braucht Vorbilder und wo findet man die eher als im bodenständigen Wintersport? Statt mit tätowierten Diven, wartet die Wintersportnation Deutschland mit bayerischen Frohnaturen und mitteldeutschen Schlittentüftlern auf, die ein ganz anderes Bild vermitteln als die abgehobenen, aalglatten Sportroboter aus den Fußballinternaten. Eine Laura Dahlmeier arbeitet nebenher in der bayerischen Bergwacht, belegt dort Fortbildungskurse und wird zum Schichtdienst eingeteilt. Einen Marco Reus kann man sich nicht einmal bei der örtlichen Feuerwehr vorstellen.

 

Es wird Zeit, dass sich die Wintersportnation Deutschland der Welt präsentiert und einen Sportsgeist wie bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 entflammt. Und wo wäre das besser möglich als im bekannten Wintersportmekka Oberhof!?

Moment mal, wird sich der eine oder andere jetzt vielleicht denken. Oberhof ist ja ganz nett, aber dieses verschlafene Städtchen im Thüringer Wald hat keine 2000 Einwohner. Das soll wohl ein Witz sein?! Nein, wir meinen es ernst! Oberhof wäre aus deutscher Sicht geradezu prädestiniert für die olympischen Spiele und wir erklären gerne warum! Natürlich ist uns klar, dass der kleine Ort die Spiele nicht alleine stemmen kann, aber gerade Winterspiele finden in der Regel immer an mehreren Wettkampfstätten gleichzeitig statt. Nach Erfurt ist es beispielsweise nur ein Katzensprung und selbst Sachsen und der Nordbayern befinden sich für olympische Verhältnisse um die Ecke. Ihr haltet das ganze noch immer für eine Schnapsidee? Wir präsentieren euch sieben Gründe warum die Olympischen Winterspiele 2026 oder 2030 in Oberhof/Mitteldeutschland stattfinden müssen:

 

 

1. Die Sportstätten sind bereits vorhanden

SED-Parteichef Walter Ulbricht liebte Oberhof und so profitierte der traditionsreiche Wintersportort schon früh von umfangreichen Förderprogrammen in der DDR. Ob Skisprungschanzen, Biathlonarena oder Rennrodelbahn. Die wichtigsten Sportstätten sind bereits vorhanden und durch Weltcups und Weltmeisterschaften international erprobt. In Erfurt befindet sich zudem eine der modernsten Eischnelllaufarenen der Welt und durch die starke Stellung der Sportstützpunkte in Thüringen und Sachsen wären auch die Wettkampfstätten für Randsportarten gut zu erreichen. Selbst alpine Wettkämpfe sollten kein Problem sein, da der Thüringer Wald mit dem einzigen mitteleuropäischen Steilhang nördlich der Alpen aufwarten kann. Ansonsten stünden die Bayern sicher gerne bereit – aber wir denken hier nicht an Garmisch oder Oberstdort. Im Bayerischen Wald hat man schon Erfahrung mit Weltcuprennen und eine Olympiagastgeberschaft wäre für die wirtschaftsschwache Region wie ein Sechser im Lotto.

 

 2. Tradition

Die Bilder aus Pyeongchang waren teilweise beschämend. Weiße Bänke so weit das Auge reicht und nur vereinzelt ein paar fahnenschwenkende Olympiatouristen. Vor allem die Biathleten und die Skispringer konnten einem während der ersten Woche fast leidtun. Vor Geisterkulissen kämpften sie um Medaillen und waren gezwungen das größte Sportereignis ihres Lebens in einer Atmosphäre zu bestreiten, die teilweise eher einer Bezirksmeisterschaft als einer Olympiade würdig war. Das wird den Sportlern in Deutschland nicht passieren! In Oberhof stapfte schon Kaiser Wilhelm mit seinen Kindern durch den Tiefschnee und bereits zu Weimarer Zeiten wurden hier Bobweltmeisterschaften ausgetragen. Zu den Biathlonweltcups kommen regelmäßig über 60.000 Menschen und Wintersport ist ein Publikumsmagnet in Deutschland, wie die jüngsten Zahlen aus Pyeongchang gezeigt haben. Bis zu 44(!) Prozent Marktanteil erreichten die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren Übertragungen.

 

3. Tourismus

Natürlich ist Oberhof vielen Wintersportfreunden bekannt, aber abseits von Biathlon und Rodeln ist die Stadt nur wenigen ein Begriff. Das würde sich mit der Ausrichtung Olympischer Spiele schlagartig ändern! Der malerisch gelegene Ort würde im In- und Ausland massiv an Popularität gewinnen. Die russische Stadt Sotchi beispielsweise war vor den olympischen Spielen 2014 selbst den meisten Europäern kein Begriff. In den Köpfen der Menschen existierte diese Stadt schlicht nicht. Eine Vergabe der Spiele an Oberhof könnte die ganze Region beflügeln. Welcher Ausländer kennt heute Weimar, Erfurt oder den Thüringer Wald? Für eine kleine Stadt und die umliegende Region sind die Olympischen Spiele eine unbezahlbare Imagekampagne gigantischen Ausmaßes. Für Weltstädte wie München oder Berlin ist dieser Punkt fast uninteressant, dagegen für unbekannte Städte ein Hauptargument. Sotchi beispielsweise verbuchte bereits ein Jahr nach der Austragung der Spiele, während der darauffolgenden Weihnachtsferien, mehr als anderthalb Mal so viele Touristen wie im Jahr zuvor.

 

4. Schlechte wirtschaftliche Lage „Problemkind Oberhof“

Oberhof kämpft bereits seit vielen Jahren mit stagnierenden bis sinkenden Tourismuszahlen. Während andere Regionen wie Willingen oder Oberwiesenthal aufgeholt haben und wirtschaftlich glänzend dastehen, darbt der Dauerpatient Oberhof seit der Wende dahin. Aber warum sollte diese desolate Ausgangslage gerade ein Grund für den Ort sein? Dazu muss sich klarmachen, dass Oberhof schon seit Jahren massiv mit Geldern überhäuft wird, die jedoch nie in ein ganzheitliches Konzept eingebettet sind. Ohne Sinn und Verstand öffnet die Öffentliche Hand ihre Fördertöpfe und anschließend wundert man sich, wenn die Effekte nach kurzer Zeit wieder verpuffen. Über ein komplettes Ende dieser Politik lohnt es sich nicht nachzudenken, da man in der thüringischen Landespolitik bereits verlautbaren hat lassen, dass Oberhof „to big too fail“ sei. Wenn also ohnehin Geld ausgegeben wird, dann doch bitte mit einem nachhaltigen Konzept, wobei Olympia als ein langfristiger Katalysator der Extraklasse dienen kann. Statt immer neuer Schönheitskorrekturen einzelner Baustellen, könnte der Ort sich endlich vom miefigen DDR-Schick befreien und möglichen Investoren ein gewichtiges Zeichen geben. Gerade die haben sich nämlich in der Vergangenheit nämlich rargemacht, weil die Planungssicherheit einfach immer unsicherer wurde. Olympia wäre die Chance für eine gemeinsame, ganzheitliche, strategische Ausrichtung.

 

5. Der Nachwuchs

Dass die Jugend Vorbilder braucht, haben wir bereits zu Beginn des Artikels deutlich gemacht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Umstrukturierung und Förderung der eigenen Nachwuchsarbeit, die erfahrungsgemäß durch Großereignisse wie die Olympischen Spiele entscheidend fokussiert wird. Bezogen auf Deutschland verdeutlicht die Fußballweltmeisterschaft 2006 diesen Effekt auf beeindruckende Weise. Vor der WM war Deutschland in die internationale Zweitklassigkeit abgerutscht was schließlich in den katastrophalen Europameisterschaften 2000 und 2004 gipfelte. Im Zuge der WM wurde die Nachwuchsförderung komplett überarbeitet und gegenwärtig ist die Deutsche Fußballnationalmannschaft das stärkste Team der Welt. Der Deutsche Fußball-Verband wird für seine hervorragende Nachwuchsarbeit international beneidet und Vereine im In- und Ausland reißen sich um deutsche Talente. Vor einigen Jahren noch undenkbar. In Großbritannien hatte die Vergabe der Sommerspiele 2012 einen ähnlichen Effekt. Während die britischen Olympioniken vor der Vergabe 2004 magere 30 Medaillen, davon neun Goldene, mit ins Königreich nehmen konnten, waren es vier Jahre nach den Olympischen Spielen in London 2012 sensationelle 67 und davon ganze 27 in Gold, dreimal so viele wie vor der Bekanntgabe der Vergabe. Die Umstrukturierung und Professionalisierung der heimischen Stützpunkte hatte sich bezahlt gemacht und der Lohn war ein hervorragender zweiter Platz im Medaillenspiegel. Das gute Ergebnis von Pyeongchang sollte im Übrigen nicht über die Schwächen in einigen Disziplinen hinwegtäuschen. So kann die Ausbeute im Eisschnelllauf, einer früheren Paradedisziplin der Deutschen, im Ski Alpin, im Langlauf und in den jungen, technischen Disziplinen nur als katastrophal bezeichnet werden. Die Strukturen müssen komplett auf den Kopf gestellt werden und der Nachwuchs braucht eine echte Motivation. Also her mit Olympia!

 

6. Die „Ossis“

Spiele in Dunkeldeutschland? Bei den xenophoben Pegida-Ossis? Ob das mal gut geht… So ein Quatsch! Im Gegensatz zu den gesättigten Wessis haben die Ossis den Hunger und die Begeisterungsfähigkeit die es braucht, um eine Großveranstaltung wie die Olympischen Winterspiele auf die Beine zu stellen. Ob nun Oberhof oder der ganze südliche Teil Mitteldeutschlands - mit Wintersportgroßveranstaltungen hat man jahrzehntelange Erfahrung und die Begeisterung von den Biathlon Weltcups, von der viele Weltklasseathleten immer wieder schwärmen, ist international kaum zu vergleichen. Der Osten ist die deutsche Wintersporthochburg schlechthin und im Gegensatz zu den neu- und altreichen Bonzen der bayerischen Landeshauptstadt sieht man ein Großereignis wie Olympia hier als riesige Chance für die ganze Region

 

7. Die Größe

Oberhof hat derzeit etwa 1.600 Einwohner. Wie sollen dort Olympische Spiele stattfinden? Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät schnell, dass Olympische Winterspiele in Kleinstädten noch nie etwas Besonderes waren. Das amerikanische Squaw Valley beispielsweise kommt nicht einmal auf 1000 Bewohner und auch Lake Placid (2.500), bereits zweimaliger Gastgeber, Cortina d’Ampezzo (5.900) oder St. Moritz (5100) spielen etwa in der gleichen Liga wie der idyllische Bergort im Thüringer Wald. Außerdem ist es klar, dass Oberhof die Spiele nicht komplett alleine stemmen könnte, aber die Tourismusregion Thüringer Wald ist groß und Weimar und Erfurt in unmittelbarer Nähe. Für Mitteldeutschland könnten diese Winterspiele eine großartige Möglichkeit sein sich der Welt zu präsentieren und den exzellenten Ruf der dortigen Kulturgüter hinaus in die Welt zu tragen. Gemessen an seiner historischen Bedeutung fehlt es der mitteldeutschen Kulturlandschaft an internationaler Kenntnisnahme und das muss sich endlich ändern. Olympia, wir kommen!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    horst (Sonntag, 25 Februar 2018 18:01)

    Ich lehne Olympische Spiele in Deutschland massiv ab. Was man hier den Bauern bei Garmisch abverlangt hätte wäre einer Existenzvernichtung gleich gekommen. Was dann das Olympische Kommitte an Geldtreiberei zusätzlich veranstaltet ist krass. Das will ich als Steuerzahler nicht leisten. Zusätzlich bleibt immer ein Fragezeichen bei der Unbestechlichkeit der Vertreter.