Rezension: Churchill & Secret Service

Hollywood hat ihm gerade mit „Die dunkelste Stunde" ein Denkmal gesetzt. Der britische Historiker David Stafford zeigt uns ein etwas differenzierteres Bild des ehemaligen britischen Premierministers und Nobelpreisträgers.

Der britische Historiker David Stafford hat sich auf die Geschichte der internationalen Beziehungen und der Geheimdienste spezialisiert. Neben seiner akademischen Tätigkeit kann er auch mehrere Jahre praktischer Erfahrung als diplomatischer Assistent im „Foreign Office“ nachweisen. Mit seinem Schwerpunkt im Bereich der Geheimdienste hat er sich für die Königsdisziplin der historiographischen Forschung entschieden. Aufgrund der besonderen, archivalischen Restriktionen in diesem Bereich, hinterlässt keine staatliche Aktivität mehr Lücken in der politischen Geschichtsschreibung als die der Nachrichtendienste.

 

Mit „Churchill and Secret Service“ hat Stafford es sich zur Aufgabe gemacht, diese weißen Flecken in der Biographie einer der prägendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts zu füllen und dem Leser parallel eine Reihe spannender Hintergründe zu vermitteln.

 

Denn kaum eine politische Figur war während der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, kontinuierlich so nah an den verschiedenen Aufbauetappen der mittlerweile vor allem durch James Bond personifizierten, britischen Spionagenetzwerke beteiligt. Als junger Offizier zog der spätere Premierminister selbst noch als einer der letzten britischen Privatagenten ins Feld. Als Innenminister (1910 – 11) war er später an der Umwandlung eines losen Netzwerkes von Angehörigen der Oberschicht, in ein professionelles System verbeamteter und technisch hoch gerüsteter Agenten beteiligt, aus denen während mehrerer Entwicklungsphasen MI5 und MI6 hervorgingen.

 

Die Geheimdienste ziehen sich wie ein roter Faden durch Churchills verschiedenste, politische Lebensstationen. Aufgrund des globalen Machtbereiches des Britischen Empires tauchte er seit etwa 1914 als zentrale Figur in unterschiedlichen Krisenherden auf und stand in wechselndem Freund-Feind Kontakt mit den unterschiedlichsten Figuren und Gruppierungen (beispielsweise Bolschewiki, IRA, Résistance…). Da diese einzelnen Bereiche oft nicht miteinander in Verbindung standen, ist das Buch dementsprechend in thematische Einzelkapitel untergliedert, die nur in einem losen Bezug zueinanderstehen.

 

Als eigentliches Leitmotiv hat der Autor die lebenslängliche, romantische Verklärung subversiver Gruppen und Partisanenkämpfer durch den Hauptprotagonisten herausgearbeitet. Als Roman- und hollywoodgeprägter Leser neigt man am Beginn der Lektüre gerne dazu, die Fantasie in ähnlicher Weise schweifen zu lassen. Tatsächlich überschneiden sich Fiktion und Realität jedoch höchstens in ihrer teilweise atemberaubenden Spannung. Da die Hauptfigur in diesem Buch zu ähnlichen Denkfehlern neigt, wie der Leser, gelingt es dem Autor in geschickter Weise, immer wieder die Differenzen zwischen Fiktion und Realität, sowie den teils unvorhergesehenen Konsequenzen dieser verzehrten Wahrnehmung, hervorzuheben. Letztendlich war es vor allem das Alter das den mittlerweile Ex-Premierminister zum Rückzug aus diesem Tiefenbereich der Politik zwang.

 

Mit seinem Buch hat Stafford einige der spannendsten und am besten versteckten Ereignisse im ohnehin facettenreichen Leben, dieses einflussreichen aber auch kontroversen Politikers beleuchtet, welches deshalb jedem historisch interessierten Menschen wärmsten zu empfehlen ist.   

 

London 1997. 386 Seiten. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Irrelevant (Sonntag, 18 Februar 2018 12:39)

    Ist euch hirntoten Blöd-Affen eigentlich klar, dass Churchill einer der schlimmsten Massenmörder, Kriegstreiber und Deutschenhasser war?
    Jedenfalls noch ein tausendmal schlimmerer Massenmörder als der Postkartenmaler aus Braunau.
    Ihr verbreitet hier alliierte Hasspropaganda und Geschichtsklitterung im Namen der alliierten Massenmörder.
    Dieses Drecksbuch gehört in die Tonne!