Was ist die Wurzel unserer Probleme? Das Geldsystem!

Wann war die letzte Epoche echter bürgerlicher Freiheit und was hat Stefan Zweig mit unserem Geldsystem gemeinsam? Unser Gastautor klärt euch auf.

Wir leben in hochpolitischen Zeiten - In diesem Satz versteckt sich sicher keine besonders tiefgründige Einsicht. Dass es so ist, verraten uns Zeitungen, Fernsehsendungen und die Stimmen im Radio jeden Tag aufs Neue, wenn dort zumeist der Status Quo gegen all jene Positionen verteidigt wird, die Dinge in unserem Land verändern wollen. Aber womit könnte man in Deutschland unzufrieden sein? Sind alle, die sich abschätzig über die heutige Politik äußern, Pegida-Gänger und Björn-Höcke-liebende „Rechtspopulisten“? Dass das nicht der Fall ist, möchte ich gerne unter Beweis stellen, indem ich meine Stimme für ein Ideal erhebe, das den Menschen in Deutschland nur sehr selten präsentiert wird. Ich möchte mich aussprechen für den echten, klassischen Liberalismus!

 

An dieser Stelle gilt es zu unterstreichen, dass es durchaus schon einmal eine liberale Ära gab. Das Buch, das Ihnen vielleicht wie kein zweites einen Einblick in jene zu geben vermag, ist Stefan Zweigs „Die Welt von Gestern“. Darin beschreibt er beispielsweise, wie er nach Amerika reist, in New York an Land geht und sich fragt, wie es wohl für all jene Europäer sein muss, die nicht wieder zurückkehren werden, sondern sich dort eine Zukunft werden aufbauen müssen. Trotz rudimentärer Englischkenntnisse beginnt er sich auf die Suche nach Arbeit zu machen, und als der Tag sich seinem Ende zuneigt, hat er bereits drei Jobs gefunden.

 

Wenn man heute in Deutschland mit derartigen Strukturen sympathisiert, muss man sich schnell den Vorwurf der sozialen Kälte gefallen lassen. Aber ich frage Euch: Wenn ihr den soeben beschriebenen Arbeitsmarkt mit unserem heutigen vergleicht, welcher ist dann der unsoziale? Der, der selbst den unqualifiziertesten Arbeitern eine Vielzahl von Chancen eröffnet, oder der, der die Leitersprossen der sozialen Mobilität absägt und diese Leute aufs Abstellgleis stellt?

 

Sofern man die mentale Zwangsjacke der staatlichen Erziehung noch nicht abgelegt hat, mag man an dieser Stelle anmerken, dass eine solche Laissez-faire-Politik doch sicher zur Verarmung der unteren Schichten führen würde, zu unsäglichen Arbeitsbedingungen und einer nicht planbaren Zukunft für die Arbeiter. Und auch das ist falsch.

 

Dieses Missverständnis hat zwei Gründe. Zum einen werden uns in der Schule Bücher wie die von Henry Hazlitt vorenthalten. Dessen Ausführungen zum Thema Ökonomie, die zum Beispiel in „Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft“ zu finden sind, sind so klar, so intuitiv, dass sie jeder Mittelstufeschüler ohne Probleme verstehen würde.

Der andere Grund ist, dass uns das ungedeckte Papiergeldsystem nicht erklärt wird. Vor allem Libertäre würden argumentieren, dass genau dieses die Wurzel vieler unserer heutigen gesellschaftlichen Probleme darstellt.

 

Betrachtet man nun die Ungleichheit bezüglich Einkommen und Vermögen, die Macht der Finanzindustrie, die Boom-Bust-Zyklen, die sogenannten „Finanzkrisen“ oder Themen wie die Altersarmut – sie sind allesamt untrennbar mit unserem Fiat-Geldsystem verbunden.

 

Um euch zu zeigen, dass es sich auch ohne staatliches Falschgeld ganz gut lebt, kehren wir zurück zu Stefan Zweig, der im ersten Kapitel seines Buches schreibt: „Wenn ich versuche, für die Zeit vor dem Ersten Weltkriege, in der ich aufgewachsen bin, eine handliche Formel zu finden, so hoffe ich am prägnantesten zu sein, wenn ich sage: Es war das goldene Zeitalter der Sicherheit.“ – „Unsere Währung, die Österreichische Krone, lief in blanken Goldstücken um und verbürgte damit ihre Unwandelbarkeit.“ – „Dieses Gefühl der Sicherheit war der erstrebenswerteste Besitz von Millionen, das gemeinsame Lebensideal. Nur mit dieser Sicherheit galt das Leben als lebenswert, und immer weitere Kreise begehrten ihren Teil an diesem kostbaren Gut. Erst waren es nur die Besitzenden, die sich dieses Vorzugs erfreuten, allmählich aber drängten die breiten Massen heran.“

 

Besonders achten solltet ihr auf den zweiten Satz. Stefan Zweig war kein Ökonom, und doch kommt er auf diesen Seiten immer wieder zurück zur Stabilität des Geldes. Nun kann man sich dies heute kaum noch vorstellen, aber in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war es tatsächlich so, dass das Preisniveau stabil war. Der damalige Goldstandard setzte dem Geldmengenwachstum enge Grenzen, was in der Kombination mit Effizienzgewinnen in der Industrie und einer höheren Produktion zu gleichbleibenden oder gar leicht fallenden Preisen führte. In einer solchen Welt reichen selbst kleine Gehaltszuwächse, um Jahr für Jahr ein wenig wohlhabender zu werden.

 

Geldmengenwachstum. Effizienzgewinne. Goldstandard. Viele Menschen beginnen mit den Augen zu rollen, sobald diese Begriffe fallen. Sie fragen sich, ob sie sich nun auch noch damit auseinandersetzen müssen. Gibt es denn dafür nicht die Ökonomen?

Genau da liegt das Problem. Damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, wie groß unsere Probleme in diesem Bereich sind, macht euch bitte folgendes klar: Das Studienfach der Volkswirtschaftslehre basiert gewissermaßen darauf, dass es einen Bogen um all die Dinge macht, über die die Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie reden.

 

Wenn Sie jemandem, der einen Bachelor-Abschluss in VWL hat, erklären, dass Banken bei ihrer Kreditvergabe Geld aus dem Nichts erschaffen, ernten Sie mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit einen Blick des Entsetzens. Das wird dort schlicht nicht angesprochen. Im Master-Studium oder dem Doktorprogramm mögen Namen wie Mises oder Hayek vielleicht fallen, aber an diesem Punkt sind die Studenten bereits so in die Hauptstromlehre involviert, dass sie sich davor hüten werden, den hohen Grad der Mathematisierung ihres Fachs zu hinterfragen (denn genau das tut die Österreichische Schule). Die, die es dennoch tun, bezahlen oft mit dem Preis, Deutschland verlassen und im Ausland lehren zu müssen (Jörg Guido Hülsmann in Angers, Philipp Bagus in Madrid).

 

Einen allgemeinen, leicht verständlichen Einstieg in das Thema des Geldsystems bietet das Buch „Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden“ von Philipp Bagus und Andreas Marquart.

 

Ganz generell gesprochen ist das Fundament des klassischen Liberalismus, dem man sich durch die Lektüre eben solcher Bücher und Beiträge automatisch annähert, ein Freiheitsbegriff, der sich von unserem heutigen stark unterscheidet. Während die 68er im Zuge ihres von Antonio Gramsci inspirierten „Marsches durch die Institutionen“ Freiheit mehr und mehr mit dem Recht auf das Eigentum anderer (böse Zungen würden von Sozialismus sprechen) gleichsetzten, meinen klassische Liberale und Libertäre damit jenen Zustand, „in dem ein Mensch nicht dem willkürlichen Zwang durch den Willen eines anderen oder anderer unterworfen ist“ (F.A. Hayek). Die Prämisse ist hierbei schlicht, dass jeder Mensch ein Selbsteigentum am eigenen Körper hat und er seine Rechte damit besitzt, bevor irgendein Politiker sie auf ein Blatt Papier schreibt. Ich bin ein Individuum und gehöre mir selbst – Zweifellos ein enorm kraftvoller Satz, den man beispielsweise durch das Lesen von Frederic Bastiats' „The Law“ („Das Gesetz“; veröffentlicht im Jahr 1850) auf einmal klar vor sich sieht und angesichts dessen man sich fragt, wie einem der Staat und seine altruistischen Helferlein diese intuitive Wahrheit nur vorenthalten konnten.

 

Ihr merkt hoffentlich, dass die libertäre Position eine sehr freiheitliche und individualistische ist. Sie geht davon aus, dass Menschen in vielerlei Hinsicht unterschiedlich sind, und maßt sich nicht an, diese natürliche Vielfalt durch staatliche Einfalt zu ersetzen. Sie sieht es vor, dass Menschen sich im weitesten Sinne selbst regieren und jeder Mensch nach seiner Façon selig werden kann. Natürlich impliziert dies auch, dass man im Gegenzug damit zurechtkommen muss, dass andere Menschen andere Werte haben und sich dementsprechend nach anderen Lebensentwürfen ausrichten werden. Diesbezüglich schrieb Ludwig von Mises in seinem Buch „Liberalismus“: „Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und er muss es sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.“

 

In unserer hochgradig politisierten Zeit ist dies vielleicht der wichtigste Punkt. Wenn die Kräfte von links und rechts aufeinanderprallen, geht es in der Gemengelage schon einmal unter, dass die Grundursache des Konflikts oftmals der Staat ist. Denn ohne eine allmächtige Zentralregierung müsste man keine nationalen Mehrheiten organisieren, um gemäß den eigenen Vorstellungen leben zu können. Man müsste keine Angst vor Menschen mit anderen Ansichten und Wertvorstellungen haben, weil man im gegenseitigen Einverständnis leben würde, dass man diese einander nicht aufzwingt. Man wäre in der Lage, die Dinge vor Ort in die Hand zu nehmen – ganz unbürokratisch und unpolitisch.

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