Studiengebühren für alle!

Unser Gastautor vertritt eine unter deutschen Studenten gänzlich unpopuläre Forderung. Er fordert Studiengebühren für alle!

In Deutschland werden so gut wie keine Studiengebühren erhoben. Die wenigen Ausnahmen betreffen hauptsächlich Langzeitstudenten. Bildungsmöglichkeiten entstehen zwar niemals umsonst, können hier jedoch gratis genutzt werden.

 

Begründet wird dieser Umstand mit der Berufung auf das Humboldt’sche Bildungsideal. Wilhelm von Humboldt war der Auffassung, dass Bildung allen Menschen, unabhängig von materiellen Zwängen, zur Verfügung stehen sollte.

 

Als Idealist glaubte er, so die besten Eigenschaften des Menschen fördern und die negativen abbauen zu können. Als preußischer Kultusminister versuchte er das Universitätswesen dementsprechend zu reformieren. 

 

Aber halten seine hohen Ideale auch der empirischen Überprüfung durch die Realität stand? Nun, von wirtschaftlichen Interessen unabhängig sind die zahllosen Geistes- und Sozialwissenschaftler (so auch der Autor dieser Zeilen) auf jeden Fall. Aber ist das Studium auf Kosten der Allgemeinheit deshalb auch pädagogisch wertvoll? Das Studium soll schließlich den Reifeprozess und die Selbstständigkeit fördern. Der Umstand, dass Bildung gratis ist, hat bei der Mehrzahl der Studenten zu der Illusion geführt, dass sie umsonst wäre.

 

Den von Humboldt imaginierten, allein auf die Wissenschaft fixierten Forscher,

sucht man heute vergeblich. Stattdessen ist ein narzisstischer Verwöhneffekt mit dazugehöriger Anspruchsmentalität entstanden.

 

Studentenorganisationen fordern neben dem bereits vorhandenen Zugang zur kostenlosen Bildung, reduzierten Mensas, riesigen Bibliotheken usw. häufig noch ein Wohnrecht in der Innenstadt sowie die unentgeltliche Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Die wahrscheinlich schlimmste Entartung seiner Idee findet sich aktuell in den Schlägertrupps der Antifa. Wer für die schönen Dinge im Leben nämlich nichts leisten muss, kann darin auch keine Erfüllung finden. Kraft entsteht durch die Überwindung von Widerstand.

 

Hier liegt der Hase jedoch in der Tat im Pfeffer. Viele junge Menschen können diese dynamische Energie nicht mehr aufbringen, weil sie von Staats wegen darin blockiert werden. Im Falle einer Wiedereinführung der Studiengebühren müsste ein nicht unwesentlicher Teil der Studenten die Universität aufgrund finanzieller Zwänge verlassen. Oder sich ohne Festanstellung verschulden, was in den USA mittlerweile zu über einer Billion (engl. trillion) Dollar kaum noch zahlbarer Kreditschulden geführt hat. Klassischerweise würden solche Ausgaben über eine Mischung aus elterlicher Unterstützung (oftmals auch über einen dafür eingerichteten Fonds), eigener Arbeit und einem bescheidenen Lebensstil bestritten. In der Regel würden dadurch Tugenden wie Sparsamkeit, langfristiges Denken und Respekt vor der Arbeit anderer Menschen gefördert. Die Zeit zur Verfolgung Andersdenkender wäre natürlich eingeschränkt.

 

Unter heutigen Umständen würde die sofortige Einführung von Studiengebühren allerdings gerade für Geringverdiener eine hohe Belastung darstellen. Denn nach Abzug der immensen Steuern bleibt den meisten Eltern nur noch wenig übrig, was überhaupt angelegt werden könnte. Auch Studenten dürfen seit Jahren nicht mehr als 450 Euro steuerfrei verdienen, obwohl die Lebenshaltungskosten ständig steigen. Diese Entwicklungen sind jedoch allesamt auf politische Fehlentscheidungen zurück zu führen.

 

Der gleiche Staat, der erst die Familien enteignet, spielt sich später als Retter der jungen Generation auf. Das Bildungssystem ist zu einer massiven Bestechungskampagne für eine staatsunterworfene und jeden Mist mittragende Pseudointelligenzija verkommen.

 

Ein gesünderes Misstrauen gegenüber der Obrigkeit wäre dringend nötig. Studiengebühren können dafür ein erster wichtiger Schritt sein. Denn wer etwas aus eigener Tasche zahlt, ist Kunde und somit König, nicht Untertan. Wichtig ist dabei der Wortteil „Gebühren“. Denn im Gegensatz zu Steuern sind Gebühren zweckgebunden und könnten direkt von den Universitäten erhoben werden. Idealerweise würden die Unis langfristig auch die Höhe selbst fixieren, wodurch sich die Angebotsvielfalt erheblich erweitern würde. Kurzfristig wären sie aber in der Tat schmerzhaft.

 

Das Studium sollte aber auch aus viel praktischeren Gründen wieder über ein Preisschild verfügen. Hier könnte nämlich ein Lösungsansatz für die oft beklagte Orientierungslosigkeit liegen. Schließlich verfügen Preise über eine wichtige Signalwirkung um Entscheidungen zu erleichtern. Ein Preissignal würde die Möglichkeit einer präzisen Kosten-Nutzen-Rechnung erheblich verbessern. In den Geistes- und Sozialwissenschaften hat der kostenlose Studienzugang zu einer erheblichen Blasenbildung bei den Studentenzahlen geführt. Diese führten naturgemäß zu einem Überangebot und entsprechender Preisdrückung am Arbeitsmarkt, sprich niedrigen Löhnen. Mithilfe von Gebühren könnten sich diese Studiengänge mittelfristig wieder gesundschrumpfen. In lukrativeren Fächern wie Jura oder Medizin werden die Kosten hingegen sozialisiert und die Gewinne privatisiert. So viel zum Gerechtigkeitsargument.

 

Eines der Hauptargumente für die Verwurstelung des bewährten deutschen Diplomstudiengangs durch den Bolognawahnsinn waren übrigens zu lange Studienzeiten. Wäre das leichte Leben auf Kosten der Allgemeinheit gleich mit einer Eigenbeteiligung versehen worden, wäre das Problem in dieser Form wahrscheinlich nie entstanden. Im Gegenteil. die Studenten verfügten mittels der Gestaltung des Stundenplans über einen erheblichen, individuellen Spielraum zur Bestimmung der Studiendauer.

 

Aufstiegswillige Arbeiterkinder hätten also leicht an ihren verwöhnten Kommilitonen aus der Oberschicht vorbeiziehen können, da diese wahrscheinlich trotzdem erstmal Papas Geld verprasst hätten.

 

Die erst genannten hätten somit ein gutes Stück früher in den Arbeitsmarkt gelangen können. „Sozial gerecht“ also, soweit dies überhaupt möglich ist. In Kombination mit den aktuell oft auftretenden Studienzeitverlängerungen durch bürokratische Unregelmäßigkeiten, wären Studiengebühren hingegen in der Tat „sozial ungerecht“. Die Kinder reicher Eltern könnten ein auf diese Weise verlorenes Semester nämlich viel leichter verkraften. Das Problem liegt aber wiederum nicht an den Gebühren, sondern an der fehlerhaften Studienkonstruktion.

 

Was bleibt also abschließend vom Humboldt´schen Bildungsideal? Bei allen Leistungen deutscher Philosophen ist in diesem Fall doch einem Froschfresser von den Erbfeinden jenseits des Rheins der Vorzug zu geben. Dem Idealisten Humboldt kann man mit dem Realisten Voltaire entgegenhalten: „Cela est bien dit, mais il faut cultiver notre jardin“ (Gut gesagt, aber unser Garten muss bestellt werden). Dementsprechend – Studiengebühren für Alle.

 

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