Ein Mann mit einer Überzeugung ist stärker als 99 Leute mit Interessen

Nützlich, wichtig oder überholt? Über den Wert von Idealen und Überzeugungen.

Für den einen sind sie die Turbinen, die ihm die Höhenflüge seines Lebens ermöglichen. Für den anderen sind Überzeugungen eher wie Sandsäcke am Heißluftballon des Lebens, welche es im richtigen Moment abzuschneiden gilt.

 

Wie wichtig sind Überzeugungen?

 

Wir definieren uns danach. Wir definieren andere danach. Wir haben sie und verraten sie. Wir sterben für sie und geben sie auf. Wir halten uns an ihnen fest und schwören ihnen ab. Überzeugungen sind ein wichtiges Thema in unserem Leben. „Jeder hat etwas, an das er glaubt“, das ist zumindest eine alte Volksweisheit. Oder ist es eher eine Volksdummheit. Es scheint viele Menschen zu geben, die bereit sind, um der Meinung ihres Umfeldes zu entsprechen, ihre Ideale zu verraten. Manche sind auch bereit für ihre Karriere Abstriche zu machen.

 

In der Diskussion mit den Kollegen vielleicht lieber den Mund zu

halten als anzuecken und auf Bitten des Chefs mal Fünfe gerade sein zu lassen.

 

Etwas Opportunismus kann man sich schließlich auch mal gönnen und außerdem hat man auch nicht immer zu allem eine festgefahrene Meinung. Oftmals ist es wichtig flexibel zu sein und was spricht dagegen, bei der unendlichen Auswahl an möglichen Idealen die praktischsten und vorteilhaftesten auszuwählen? Ganz nach dem Schriftsteller Otto Flake:

 

„Wer Grundsätze hat, darf auch einmal einen fallen lassen.“

 

Doch genau da liegt das Problem. Wenn man bereit ist Grundsätze, Prinzipien und Ideale so einfach fallen zu lassen, dann sind es eben keine. Natürlich gehört Mut dazu, zu seinen Überzeugungen zu stehen und sie auszuleben. Zudem sind Ideale wohl auch ihrer Natur nach immer etwas ideeller als das was wir praktisch erreichen können, etwa wenn wir uns das Biblische „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“ zum Grundsatz machen. Aber Prinzipien und Überzeugungen an denen wir uns festhalten können, geben eben auch Halt und Kraft. Auch die Kraft der Überzeugung. Der liberale Philosoph John Stuart Mill meint: „Ein Mann mit einer Überzeugung ist stärker als 99 Leute mit Interessen.“ Überzeugungen machen Menschen stark.

 

In die Geschichte gehen besonders Leute ein, die bereit sind für ihre Überzeugungen zu leiden oder gar zu sterben. Von Sokrates über Luther bis hin zu Churchill werden diese Leute bewundert. Das Spannende daran ist, dass eine Überzeugung immer größer sein muss als der Überzeugte selbst. An eine Überzeugung glauben kann man nämlich nur, wenn man sie für richtig und wahr hält. Sie darf also nicht instrumentalisiert werden. Eine Überzeugung muss ehrlich für wahr gehalten und mit gutem Gewissen vertreten werden. Genau das unterscheidet den Idealisten vom Opportunisten, dass er nicht seine Prinzipien seinem Vorteil unterordnet.

 

Brauchen wir wieder mehr Überzeugungen oder gibt es in unserer Zeit genug davon?

 

Ich habe den Eindruck, dass es auf jeden Fall genügend Leute gibt, die für Dinge eintreten. Es gibt viele Menschen die Sachen für richtig halten, aber man sieht wenig Überzeugte. Es ist wie es vermutlich immer war: Ein paar Überzeugte ziehen einen Haufen Ja-Sager hinter sich her. Ob in der Politik oder im Alltag, es scheint immer das Gleiche zu sein. Dies kann man natürlich beklagen oder einfach akzeptieren. Klar ist es toll, wenn viele Leute von einer guten Sache überzeugt sind. Doch genau da liegt das nächste Problem: Eine Überzeugung ist nur gut, wenn man von etwas Gutem überzeugt ist. Das historische Gegenbeispiel des Nationalsozialismus liegt nahe. Die Überzeugung scheint also kein Selbstwert zu sein. Doch nur weil es falsche und schlechte Überzeugungen gibt, entbindet das nicht von der Verantwortung sich welche zu suchen. Ich möchte jedem Mut machen sich Gedanken zu machen wofür er steht und wem er hinterherläuft. Sich zu fragen was einen wirklich überzeugt und dafür auch gegen Widerstand einzustehen. Denn es sind die Menschen mit Überzeugungen, die die Welt bewegen.

 

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