Trudeaus Heulkrampf - die Feminisierung von Politik

Der nordamerikanische Sonnyboy Justin Trudeau, nebenberuflich Premierminister Kanadas, bricht vor laufenden Kameras in Tränen aus. Echtes Mitgefühl oder taktisches Kalkül?

Gordon Downie ist tot. Kennen Sie nicht? Ich auch nicht. Downie war Frontman der kanadischen Rockband „Tragically Hip“. Er erlag mit 53 Jahren einem Krebsleiden. Das ist tragisch. Aber hat nichts mit Politik zu tun. Trotzdem stellt sich der kanadische Premierminister Justin Trudeau vor die Kamera und heult offen los:

 

„Wir haben heute Morgen einen der Besten von uns verloren.“

 

Auch das mag sein. Downie galt als kanadische Musikikone und Held einer ganzen Generation. Das sollte allerdings kein Grund für den führenden Staatsmann Kanadas sein, sich weinend und mit glänzenden Augen vor die Kamera zu stellen. Warum macht Trudeau das?

 

Option 1: Er trauert wirklich um den Verlust des Leadsängers, seines Freundes, wie er sagt. Das hieße allerdings, dass er seine Emotionen nicht im Griff hat. Menschen sollen trauern, aber in der verantwortungsvollen Position eines Staatsmannes, kann man es sich nicht erlauben Emotionalität zu zeigen. Denn Emotionalität bedeutet in Krisensituationen Schwäche. Abgesehen davon repräsentiert der Präsident die Nation nach außen. Auch wenn „Kanada einen Freund verloren hat“, kommt es doch darauf an, wie das Land sich nach außen zeigt. Und das sollte ganz sicherlich nicht in weinerlicher Manier über einen verstorbenen Rocksänger sein.

 

Option 2: Trudeau spielt seine Tränen vor. Der emotionale Ausbruch des jungen Schönlings ist eine geplante PR-Aktion. Ganz so unwahrscheinlich ist dieser Gedanke nicht. Das passt perfekt ins Schwiegersohn-Schönlings-Image des soften Präsidenten. Denn Trudeau richtet sich hauptsächlich an die junge Generation Linksliberaler und in Besonderem an Frauen. 37% aller Frauen unterstützten vor der Präsidentschaftswahl 2015 die Liberalen unter Trudeau. Nur 28% hatten vor die Konservativen zu wählen, 22% der Frauen waren für die New Democrats. Die meisten Männer unterstützten ohnehin die Konservativen. Eric Greiner schrieb für CDC news: „To have electoral success this fall, the Liberal leader will have to hold on to the new support he has drawn from women.“ Diesem Rezept folgt Trudeau weiterhin.

Wer ihn seit seiner Amtszeit beobachtet, merkt eines deutlich: Die Politik ist auf Frauen zugeschnitten. Er fokussiert seine Auftritte häufig auf Kinder, überreichte einigen syrischen Flüchtlingen höchstpersönlich warme Mäntel, ist der geborene Romantiker, spielt den kindlich-lockeren Schwiegersohn und posiert des Öfteren oben-ohne. Zuletzt gab er offen zu, sich selbst Legosets zu kaufen.

 

Dass Politik auch anders geht, zeigte Helmut Schmitt,

der letzte deutsche Bundeskanzler von Format.

 

In einem Interview nach seiner Zeit als führender Staatsmann äußerte er sich über Emotionen und die schwierigen Entscheidungen seiner Karriere. Davon könnte sich Trudeau eine Scheibe abschneiden. Oder zumindest aufhören zu schauspielern.

(Ab  5:50 Min geht's los)

 

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