Kurzrezension: Philip Roth - Jedermann

Philip Roth zählt zu den berühmtesten noch lebenden Schriftstellern der Gegenwart. Zeit sich dem Urgestein der amerikanisch-jüdischen Literatur einmal anzunähern.

Jahrelang hat der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki den Nobelpreis

für Philip Roth eingefordert, aber es hat einfach nicht sein sollen.

 

Noch immer steht der wahrscheinlich wichtigste zeitgenössische Romancier der USA, Philip Roth (1933 - ), ohne die begehrte Auszeichnung da. Wer sich dem umfangreichen Werk der US-Amerikaners behutsam nähern möchte, dem bietet der schmale Roman „Jedermann“ (2006) eine gute Möglichkeit.

 

Erzählt wird die Lebensgeschichte des titelgebenden Jedermanns. Von der idyllischen Kindheit im jüdischen Milieu über sein Kunststudium und die anschließende Tätigkeit in einer Werbeagentur folgt der Leser dem namenlosen Hauptcharakter in Rückblenden durch sein beruflich erfolgreiches Leben. Nach und nach wird dabei die Verbitterung des Mannes deutlich, dessen Söhne ihn hassen und der die Frau seines Lebens durch Eskapaden mit einem jungen Model verliert.

 

Roth zeichnet die Geschichte eines Mannes nach, der erst im hohen Alter beginnt sein Leben zu reflektieren und der seinen Alterungsprozess fassungslos voranschreiten sieht. Trotz der Thematik ist das Buch auch für jüngere Leser geeignet und zugänglicher als beispielsweise das schwere, epochale Werk „Der menschliche Makel“. Wer sich erstmals mit Roth auseinandersetzen möchte, für den bietet „Jedermann“ einen interessanten Einstieg, auch wenn es sich bereits um das Alterswerk des seinerzeit 72-jährigen handelt.

 

Krautnote: 8.0

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