Krautklassiker des Monats - Berlin Alexanderplatz

Manchen von euch dürfte der Roman „Berlin Alexanderplatz“ noch aus dem Deutschunterricht bekannt sein. Der Film lebt vor allem von dem energischen Spiel Heinrich Georges, dem vielleicht größten deutschen Schauspieler des 20. Jahrhunderts. Faszinierende Aufnahmen des alten Berlin erwarten euch insbesondere ab Minute 2:39.

Manchen von euch dürfte der Roman „Berlin Alexanderplatz“ noch aus dem Deutschunterricht bekannt sein. Alfred Döblins teilweise essayistisches Werk aus dem Jahr 1929 wird heute in einer Reihe mit den großen Romanen von Proust, Joyce oder Musil genannt.

 

Er gilt als der bis heute einzige deutsche Großstadtroman von Weltrang.

 

Das als unverfilmbar geltende Werk wurde zuerst 1931 von Philipp Jutzi als Kinofilm und 1980 von Rainer Werner Fassbinder als 14-teilige Fernsehreihe verfilmt. 1931 war der Tonfilm erst einige Jahre alt und so merkt man dem Werk sein Alter heute deutlich an.

 

Der Film lebt vor allem von dem energischen Spiel von Heinrich George,

dem vielleicht größten deutschen Schauspieler des 20. Jahrhunderts.

 

Den gutgläubigen und etwas naiven Franz Biberkopf verkörpert George mit einer solchen Wucht und Intensität, dass es die restlichen Figuren schwer haben sich aus seinem Schatten zu befreien. Biberkopf ist frisch aus dem Gefängnis entlassen und hat sich geschworen in Zukunft ein anständiges Leben zu führen. Doch seine alten Bekanntschaften lassen ihn nicht so schnell los und so gerät er nach und nach wieder zurück auf die schiefe Bahn. Das bekannte Sujet vom gescholtenen Ganoven, der an seinem Umfeld zerbricht und durch dieses immer wieder in die Welt der Kriminalität zurückgeholt wird, behandelt dieser 86 Jahre alter Film als einer der ersten überhaupt.

 

Die Handlung wirkt dabei manchmal etwas sprunghaft und unausgegoren, was aber aufgrund der Dichte und Länge des zu verfilmenden Stoffes nicht verwunderlich ist. Heute lohnt sich der Film alleine schon wegen des interessanten Einblicks in die deutsche Gesellschaft der Berliner 20er Jahre. Neben atemberaubenden Bildern des alten Berlins, kann sich der Zuschauer ein Bild über den Umgang der Menschen miteinander machen. Ungeschminkt wirken die Charaktere aufeinander ein und so bewegt sich das Verhältnis der Figuren meist zwischen roher Schroffheit und ehrlicher Herzlichkeit. Die Menschen wirken authentisch und natürlich. Abgeschliffene Dialoge oder glatte Charaktere, wie wir sie aus nahezu sämtlichen neueren Hollywoodproduktionen kennen, sucht der Kinogänger vergeblich.

 

Stattdessen darf der Zuschauer in eine Zeit eintauchen, die ihm heute weitestgehend fremd erscheint, obwohl selbst die eigenen (Ur-)Großeltern

in genau dieser Zeit aufwuchsen.  

 

 

HIER gehts zu unserer kurzen Biografie von Heinrich George


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