ETF Spezial

Damit ihr auch in Zeiten niedriger Zinsen nicht zu verzweifeln braucht, stellen wir euch in unserem „Finanzen Spezial" regelmäßig verschiedene Anlagemöglichkeiten vor. Diesmal sogenannte ETFs.

Am Samstag auf der Party hat ein Typ erzählt, dass er schon einen Haufen Kohle mit sogenannten ETFs verdient hat. Er meinte er kauft jeden Monat welche. Was ist ein ETF? Soll ich mir so ein Teil auch zulegen?

 

Bei ETFs handelt es sich um Investmentfonds (engl. Exchange-traded Funds) die an den Börsen gehandelt werden. Du kannst sie ganz einfach bei der Bank deines Vertrauens kaufen, wenn du ein Depot eröffnest. ETFs investieren in der Regel in viele verschiedene Firmen, wodurch du dein Risiko gegenüber klassischen Aktien (Anteile an Einzelunternehmen) streuen kannst. Die meisten ETFs sind passive Indexfonds, die versuchen einzelne Indizes abzubilden. Zu den bekanntesten Indizes zählen der DAX (Deutscher Aktienindex) und der amerikanische Dow Jones Industrial Average. Wenn du also einen ETF kaufst der den DAX abbildet, wirst du in etwa die gleiche Rendite erzielen wie der DAX.

 

 

Und was kostet mich der Spaß?

Da ETFs normalerweise nicht aktiv verwaltet werden, sind die Gebühren vergleichsweise moderat. Allerdings gibt es natürlich einige Kostenpunkte, die wir dir mal kurz zusammengestellt haben:   

 

Geld-Brief-Spanne (engl. Spread): Wenn man Anteile eines ETFs erwirbt, zahlt man aufgrund der „Spanne“ immer etwas mehr als der Verkäufer zur gleichen Zeit bekommt (z.B.: Du zahlst 30 Euro und er bekommt 29,98 Euro). Die „Spanne“ hängt von der Liquidität des Handels ab und liegt bei den meisten ETFs in etwa auf dem Niveau von Aktien, also sehr niedrig. Besonders niedrig ist die „Spanne“ bei bekannten, häufig gehandelten ETFs.

 

Depot- und Ordergebühren: Banker haben nicht ohne Grund den Ruf einen Haufen Kohle auf der hohen Kante zu haben, denn sie verstehen es bestens, ihre Kunden bei jeder Transaktion mit kleinen Aufschlägen zu piesacken. Der Kauf eines ETF-Anteils bildet da keine keine Ausnahme und jede Bank verlangt einen festen oder variablen Preis für die Order eines Wertpapiers. Die Kosten können vom Volumen der Bestellung abhängen und etwa zwischen 3 und 100 Euro liegen. Onlinebanken bieten in der Regel deutlich günstigere Konditionen als klassische Filialbanken, daher solltet ihr euch vorher gründlich informieren. Sehr günstige Anbieter sind zum Beispiel OnVista, Flatex oder DEGIRO. Bei einigen Banken fallen zusätzlich Depotkosten an, die mitunter einige hundert Euro im Jahr betragen können. Auch hier seid ihr bei den meisten Onlinebanken auf der sicheren Seite, da diese die Depotführung größtenteils kostenlos anbieten.

Ausgabeaufschlag: Im Gegensatz zu klassischen, aktiv verwalteten Fonds fällt bei ETFs in der Regel kein Ausgabeaufschlag an. Der Grund ist, dass Indexfonds über die Börse und nicht direkt bei einer Fondsgesellschaft gekauft werden.

 

Verwaltungsgebühr: Wenn ihr euch ein bisschen näher mit ETFs beschäftigt, dürfte euch auf der Kostenseite eine Kennzahl sehr oft über den Weg laufen, die Total Expense Ratio (TER), bzw. Gesamtkostenquote. Der Begriff ist erstmal etwas missverständlich, da von „Total“ keine Rede sein kann. Ansonsten hätten wir die vorherigen Punkte ja gar nicht erläutern brauchen. Aber was will man von amerikanischen Begriffen schon erwarten…?! Immerhin umfasst Die Gesamtkostenquote einen Großteil der Kosten, wie beispielsweise Vertriebs- und Betriebskosten sowie die jährlich anfallende Wirtschaftsprüfung. Interessanterweise umfasst der Begriff auch die Depotbankgebühren für die Investmentgesellschaften. Diese dürfen die Aktien nämlich nicht in einem unternehmenseigenen Depot verwalten. Die durchschnittliche Gesamtkostenquote beträgt zwischen null und einem Prozent, wobei die Kosten für bekannte, liquide ETFs gegen null tendieren und für exotischere Märkte oder Branchen etwas höher ausfallen. Durchschnittlich liegen die Verwaltungskosten deutlich unter den Gebühren aktiv verwalteter Fonds, die meistens zwischen ein und zwei Prozent Gebühren verlangen.   

 

Transaktionsgebühren: Als Transaktionskosten werden die Kosten bezeichnet, die bei einer Umschichtung innerhalb des Portfolios, also beim An- und Verkauf von Wertpapieren anfallen. Die Transaktionskosten hängen vor allem von der Häufigkeit der Umschichtungen des Vergleichsindexes ab. Bei den meisten Indexbezogenen ETFs sind die Transaktionskosten ziemlich gering, da sich die Zusammenstellung der Vergleichsindizes nur selten ändert. Im DAX gab es während der letzten fünf Jahre beispielsweise nur drei Neueinsteiger (ProSiebenSat1 Media, Vonovia, Continental)

 

Erfolgsabhängige Gebühren (Performancegebühr): Bei ETFs fallen im Gegensatz zu aktiv verwalteten Fonds keine erfolgsabhängigen Gebühren an. Die High-Watermark-Methode (Höchststand-Methode) und ähnliche Modelle brauchen wir dir daher gar nicht erst zu erklären!

 

Insgesamt kannst du bei passiven ETFs mit Gebühren von durchschnittlich etwa 0,5 Prozent rechnen!

 

 

Wird es durch die ganzen Ordergebühren nicht ziemlich teuer jeden Monat neue Anteile zu kaufen wie mein Freund?

Wenn er jeden Monat selbst einen kleinen Teil dazu kauft, kann es in der Tat ziemlich teuer werden und seine Rendite stark schmälern. Ich schätze aber, dass dein Kumpel bei seiner Bank einen Sparplan abgeschlossen hat. Bei einem Sparplan investiert die Bank regelmäßig einen bestimmten Betrag in ein vorher festgelegtes Wertpapier. Viele ETF-Sparpläne können zu geringen Kosten oder sogar kostenlos bei den Banken erworben werden. Ich vermute dein Freund spart sich die Orderkosten auf diesem Weg.

 

 

Das klingt ja ganz ok, aber ich will den Markt schlagen und richtig Kohle verdienen! Das geht doch dann nur mit aktiv verwalteten Fonds!?

Du hast Recht, mit indexbezogenen ETFs wirst du den Markt nicht schlagen. Du hast aber die Möglichkeit ETFs zu kaufen, die nicht bestimmte Indizes abbilden. Außerdem gibt es verschiedene Studien die zeigen, dass langfristig deutlich weniger als zehn Prozent der aktiv verwalteten Fonds ihre Vergleichsmärkte schlagen. Die Wahrscheinlichkeit einer besseren Rendite ist also gering. Außerdem: Hättest du zum Start des Dow Jones 1896 1000 Euro in den Index investiert, würdest du heute ein kleines Vermögen von über einer halben Millionen Dollar besitzen (ohne Inflation). Das ist doch eine ganz nette Rendite! Im langfristigen Durchschnitt bringen die meisten Indizes etwa zwischen sieben und zehn Prozent Rendite (ohne Inflation).

 

 

Das klingt gut! Muss ich denn noch irgendwas beachten?

Vater Staat möchte natürlich auch etwas von deinem ETF-Kuchen und du solltest beachten, dass bei dem Verkauf deiner Anteile oder bei Gewinnausschüttungen (Dividenden) Kapitalertragssteuer (25 Prozent), Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent der Kapitalertragssteuer) und gegebenenfalls Kirchensteuer (je nach Bundesland 8-9 Prozent der Kapitalertragssteuer) fällig werden. Die Beträge werden von deiner Bank automatisch abgeführt. Dir steht allerdings ein Freibetrag von 801 Euro jährlich zu. Wenn dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt, kannst du zusätzlich eine Günstigerprüfung beantragen und wirst im Endeffekt nach dem persönlichen Steuersatz besteuert. Bei thesaurierenden ETFs (Dividenden werden laufend reinvestiert) mit Fonddomizil im Ausland musst du dran denken deine Lieblinge bei der Steuererklärung anzugeben. Bei allen anderen ETFs machen das deine Bank oder Die Fondgesellschaft automatisch. Du solltest außerdem darauf achten, dass dein ETF ein Vermögen von mehr als 20 Millionen Euro verwaltet. Ansonsten kann es sein, dass der Fonds irgendwann geschlossen wird und du dein Geld neu anlegen musst.

 

 

Könnt ihr mir einige ETFs empfehlen?

Die Wahl deines ETFs hängt von deinen Investitionsvorlieben und deiner Risikobereitschaft ab. Mittlerweise gibt es neben speziellen ETFs auf verschiedene aufstrebende Schwellenländer sogar Robotik- oder Cannabis-ETFs. Wenn dir das zu exotisch ist, gibt es auch ETFs auf deutsche Mittelständler oder europäische Weltkonzerne.

 

 

Hier gehts zur Krautaktie des Monats August!

 

 

„Wer viel Geld hat, kann spekulieren. Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer kein Geld hat, muss spekulieren.“ – André Kostolany (1906 – 1999), ungarisch-US-amerikanischer Börsenfachmann

 

 

  

Alle angebotenen Informationen dienen lediglich der Unterstützung der eigenen Anlageentscheidung des Lesers und stellen keine Beratung durch die Blutdruck-GmbH dar. Innerhalb und außerhalb Deutschlands gelten verschiedene steuerliche Bestimmungen, die sich jederzeit ändern können. Für die aufgeführten Inhalte kann keine Gewährleistung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Genauigkeit übernommen werden. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine verlässliche Indikation für die zukünftige Wertentwicklung. Es besteht das Risiko eines Totalverlustes bei ETFs und anderen Wertpapieren. Wenn ihr uns verklagen solltet, werdet ihr den Zorn Bismarcks zu spüren bekommen!

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